Das Rössli, die Seele eines Dorfes

Suiza 2019. DCP 16:9, Color, 67 min.

Das Rössli, die Seele eines Dorfes Das Rössli, die Seele eines Dorfes Das Rössli, die Seele eines Dorfes affiche

[Synopsis no hay traducción]

Ein Film zum Kulturwandel auf dem Land. «Das Rössli, die Seele eines Dorfes» ist eine Langzeitbeobachtung. Dieses Zeitzeugnis erzählt die historischen und baulichen Ereignisse des 1751 erbauten Gasthauses «Rössli» in Root.

Das alte «Rössli» war der Mittelpunkt der dörflichen Identität. In diesem barocken Bauernhaus in Root, am Verkehrsweg von Zug nach Luzern, befand sich von Anfang an eine Gaststätte mit Tavernenrecht, später eine «Restauration» (Restaurant) und Hotel mit Theatersaal. Während 242 Jahren wurde hier von der Familie Petermann und deren Pächtern gewirtet. Ab 1993 begann der Niedergang. Der Anbau mit dem Theatersaal, eine das Dorfbild wesentlich mitgestaltende Verbindung von Bauernbarock mit neoklassizistischem Baustil, wurde abgerissen. Das Haus stand über zwanzig Jahre leer und wurde als Schandfleck des Dorfes bezeichnet. Ab 2014 geht es wieder aufwärts. Das «Rössli» wird renoviert und ist Bestandteil einer Überbauung und Neugestaltung des Dorfkerns. Im Zentrum des Films steht die ländliche Zivilisation von heute in ihrem rasanten Wandel. Wie im Film «Ex Voto» (1986) wird das Motiv des Abbruchs erlebbar. Gleichzeitig findet der Neubau mit der entsprechenden modernen Arbeitswelt seinen erzählerisch dokumentierten Ausdruck. So wird aufgezeigt, welche Fachleute heute im Vergleich zu den früheren einheimischen Einmann- und Kleinstbetrieben an der Arbeit sind: Es sind tüchtige Handwerker aus fast ganz Europa. Ein Stück Globalisierung, so wie die einziehenden Seniorinnen und Senioren ihre Lebensphase ganz anders verbringen als zu den Anfangszeiten der AHV. Als Repräsentant einer weitgehend versunkenen Welt gelangt der inzwischen verstorbene Alt-Sakristan Seppi Wey zu einem Porträt von kulturhistorischer Substanz. In diesem Sinne beschäftigt sich der Film mit unserem kulturellen Erbe und konfrontiert den Zuschauer mit den Werten der heutigen Zeit. Das Projekt wird so zu einem Teil des gültigen künstlerischen Gesamtwerks von Erich Langjahr. Dasselbe wurde seit «Männer im Ring» (1990) von seiner Lebenspartnerin Silvia Haselbeck wesentlich mitgestaltet.

DirecciónErich Langjahr und Silvia Haselbeck
GuiónErich Langjahr
RepartoArchitekten: Hansjörg Emmenegger, Daniel Lengacher, Ruedi Zai Aushub: Daniel Hürlimann Bauleiterin: Sandra Auf der Maur Bodenleger: Lorenc Gojani, Marian Gojani, Anton Schönor Deckenmaler: Lorenz Stöckli Denkmalpfleger: Benno Vogler Flachdach: Istwan Joni, Thomas Mohrmann, Benjamin Richter Gemeinderat Root: Peter Ineichen (Bau und Infrastruktur), Margrit Künzler-Niederberger (Soziales und Gesundheit) Gerüstbau: Adrijan Barisha, Agron Gjokai Hafner: Gregor Origoni Isolation und Aussenputz: André Alves, Arif Krasniqi, Ivo Matias Küchenbauer: Beni Meens Kunsthistorikerin: Therese Neininger Maurer: Manfred Hasler Pfarrei Root: Lukas Brielmann (Gemeindeleiter), Seppi Wey (Alt-Sakristan) verstorben 2019 Pflegewohngruppe: Monica Lindegger (Leiterin), Bewohner und Bewohnerinnen, Mitarbeiterinnen Plattenleger: Manuel Küttel, Mario Portmann, Patrick Walther Restauratoren: Ambrosius Widmer, Claude Caviglia, Silvia Stucki Sanitär: Guido Budmiger Schalen, Eisenlegen, Betonieren: Isen Ahmedi, Veloso Dominigues Francisco, Paulo Freitas, Jose Gomariz Caravaca, Arlind Gashi, Andreas Inglin, Frank Jaskobiak, Hadzic Jasmin, Zarco Jozic, Ivan Mächler, Manuel Torres Riac, Juan Antonio Vidal Romera, Esad Silajdzic, Philip Stierli, Dieter Zieber Solaranlage: Romain Kälin, Jarno Schweizer, Philipp Stulz Spitzarbeiten: Walter Leu Stiftung Abendrot: Christian Geser (Leiter Immobilienprojekte) Unterlagsboden: Serfio Buffone, Stojkaj Cole, Igor Dimoski, Riccardo Frangella, Marko Marjanovic, Luciano Molinaro Tapezierer: Sandro Gubser Vermesser: Johannes Viehauser Verputz innen: Miguel Lopez Barranco, Sergio Carcia Moreno, Nicola Turturro Wirte, Pächter: Bruno Steiner (ehemals) verstorben 2019, Simone Müller, Samuel Vörös Zimmermänner, Schreiner: Josef Anderhub, Peter Bättig, Reto Bieri, Manuel Brunner, Fredi Getzmann, Daniel Herger, Hans Herzog, Kevin Lustenberger, Michael Pfenniger, Ruedi Schwarzentruber Musikgruppen: Brassbandensemble Musikschule Rontal, Rontal Guugger, Säulischränzer
FotografíaErich Langjahr und Silvia Haselbeck
SonidoSilvia Haselbeck
MontajeErich Langjahr
Schnittassistenz: Silvia Haselbeck
MusicaLéon Francioli
ColaboraciónTonmischung: René Zingg
Color Grading: Nick Schneider
Plakat: Franziska Kolb und André Meier
Duración67 min.
FormatoDCP 16:9
Vendida DVD/VideoDVD   [Pedir]
ProducciónLangjahr-Film GmbH, Luegstrasse 13, CH-6037 Root
Tel. +41-41-450 22 52 – Fax +41-41-450 22 51
E-mail: info@langjahr-film.chEnviarwww.langjahr-film.ch
Derechos mundialesLangjahr-Film GmbH
Distribución en Suiza
y internacional
Langjahr-Film GmbH, Luegstrasse 13, CH-6037 Root
Tel. +41-41-450 22 52 – Fax +41-41-450 22 51
E-mail: info@langjahr-film.chEnviarwww.langjahr-film.ch
ISANISAN 0000-0005-5ED1-0000-I-0000-0000-K

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Zitate

Nichts Überflüssiges, sondern Fakten gibt es da… wunderschön fotografierte Bilder, die für sich sprechen.
Irene Genhart, Cineman, 19. Nov. 2019

Eine Dorfbeiz als Spiegel der Zeit. Ein Tribut an die Kräfte hinter einer Baustelle.
Andreas Fässler, Neue Luzerner Zeitung, 20. Nov. 2019

Ein faszinierender Film, der in sorgfältig komponierten Szenen die Arbeit mit den Händen feiert.
Geri Krebs, Zugerpresse, 20. Nov. 2019

Der Film ist wertschätzend, macht Mut, verurteilt nicht und lässt nachdenken.
Claudia Surek, Luzerner Rundschau, 14. Nov. 2019

 

Von der Seele eines Luzerner Dorfes

In ihrem neuen Film spüren Erich Langjahr und Silvia Haselbeck dem Wandel einer ländlichen Gemeinde nach – festgemacht an einem Bauzeugen mit bewegter Geschichte. Zugleich ist der Film ein Tribut an die Kräfte hinter einer Baustellenkulisse.

Es ist eine bedenkliche Zeiterscheinung, dass zahlreiche Schweizer Dörfer nach und nach ihr Gesicht verlieren. Historisch gewachsene, ortsprägende Bausubstanz wird vielerorts zur Last, Altes wird mit neuer, gewinnbringender Architektur ersetzt. Dieses Schicksal zeichnete sich einst auch für den Dorfkern der Luzerner Gemeinde Root ab: Über 250 Jahre lang war das Gasthaus Rössli ortsbildbestimmend und Symbol für die dörfliche und gesellschaftliche Identität der Rooter. Ab 1751 wirtete hier die Familie Petermann Generation für Generation, über 240 Jahre lang, bis sich in den frühen 1990ern der Niedergang der im «Bauernbarock» gehaltenen Gaststätte mit neoklassizistischem Anbau abzeichnete. Jahrelang stand das Doppelgebäude leer, zerfiel zusehends, verkam zum Schandfleck der Gemeinde. Sollte das «Rössli» und somit ein wichtiges Stück sichtbare Ortsgeschichte bald aus dem Dorfbild verschwinden?

Filmdokument mit persönlicher Note
Es kam zum Glück anders: 1998 wurde das Rössli unter Denkmalschutz gestellt, ab 2014 renoviert und der alte Anbau ersetzt. Das neu entstandene Doppelhaus ist gemeinsam mit einer Neuüberbauung direkt gegenüber ein Teil der Neugestaltung des Ortskerns geworden.

Der Filmemacher Erich Langjahr, gebürtiger Zuger, und seine Partnerin SilviaHaselbeck stellen die Geschichte sowie den Fast-Abbruch und die Neuerstehung der alten Dorfbeiz ins Zentrum des Kinofilmes «Das Rössli, die Seele eines Dorfes». Gemeinsam spüren die beiden – davon ausgehend – der Entwicklung der ländlichen Zivilisation im Spiegel der heutigen rasanten Entwicklungen nach. Um diesen Ansatz zu unterstreichen, wird dem Hauptfilm der von Memoriav restaurierte Kurzfilm «Do it yourself» vorangestellt, den Langjahr anno 1981 produziert hat. Man sieht unter anderem die einstige Güselhalde hinter dem «Rössli» – das Thema der Wegwerfgesellschaft war damals schon virulent; eine deutliche Parallele zum Heute.

Der neue Dokumentarfilm hat im Vergleich zu anderen Werken Langjahrs insofern eine besonders persönliche Note, als der Filmemacher und seine Partnerin selbst seit rund 40 Jahren in Root wohnhaft sind und den enormen Wandel des Dorfes inklusive die jüngere Geschichte des «Rössli» quasi von der Fensterbank aus haben beobachten können.

Menschen dahinter erhalten ein Gesicht
Im Film fokussieren sich Langjahr und Haselbeck neben der Geschichte des «Rössli» insbesondere auf den Bauvorgang – von der Inspektion des alten Gebäudes durch Restauratoren und die Denkmalpflege bis zur Fertigstellung der Neubauten. Sie beobachten mit der Kamera zahlreiche Arbeiter mit unterschiedlichen Hintergründen mit ihren ebenso unterschiedlichen Zuständigkeiten. So verleihen sie auf erzählerisch-dokumentarische Weise denjenigen ein Gesicht, eine Identität, welche mit hohem körperlichen Einsatz da agieren, wo sie von der Aussenwelt kaum wahrgenommen werden können. Dem Zuschauer wird bewusst, dass ohne sie dieser Wandel nicht möglich wäre. Auch erkennt man ausgeprägten Kontrast zu den Verhältnissen von einst, als hauptsächlich einheimische Einmann- und Kleinstbetriebe diese Arbeiten ausführten. Heute stammen die Handwerksleute aus aller Herren Länder. So erhält das Thema des Wandels weiteres Gewicht – so wie auch bei Langjahrs Seitenblick ins gegenüber entstehende Alterszentrum, wo die einziehenden Bewohnerinnen und Bewohner ein völlig neues Umfeld vorfinden. Hier erhält schliesslich auch noch alt Sakristan Seppi Wey als illustrer Repräsentant des alten Dorfes Root einen kurzen persönlichen Auftritt. Es sollte einer seiner letzten sein: wenige Tage später ist Seppi Wey verstorben.

Langjahr und Haselbeck agieren im Film übers Rooter «Rössli» hauptsächlich als Beobachter aus dem Hintergrund. Das Geschehen in Form bildlicher Eindrücke hat Vorrang vor dem gesprochenen Wort. Und da Baustellenflair wenig Möglichkeiten für die visuelle Stimmungsentfaltung bereitstellt, wird dies mit akustischer Untermalung abgefangen.

Jedem Dorf sein «Rössli»
Der in einem Zeitraum von fünf Jahren entstandene Film «Das Rössli – die Seele eines Dorfes» mag auf den ersten Blick Züge einer Baudokumentation aufweisen, ist aber in seiner Ganzheit doch ein typischer Langjahr-Film. Und obschon der Film vorerst hauptsächlich für die Rooter und solche, die mit dem Luzerner Dorf auf irgendeine Weise in Verbindung stehen, interessant ist, so geht seine Botschaft dennoch weit über die Gemeindegrenzen hinaus – denn jedes Dorf hat mittlerweile sein «Rössli». Irgendwie.

Luzerner Zeitung, Andreas Faessler, 20. 11. 2019

«Rössli hü»: Wer die Seele von Root rettete

Weil typische alte Häuser aus den Ortskernen verschwinden, verlieren in der Agglo immer mehr Dörfer ihr Gesicht. Dass es auch anders geht, zeigt ein Dokumentarfilm aus dem Rontal. Auch wenn das Geld die Verantwortlichen zu Kompromissen zwingen.

Er ist der Sänger der Heimat: der Dokumentarfilmer Erich Langjahr, der zusammen mit Silvia Haselbeck berührende Geschichten über Sennen, Hirten oder Wildheuer erzählt. Der aber auch seit Jahrzehnten den Kulturwandel in den Dörfern und Vorstädten der Zentralschweiz auf Film bannt.
Dazu passt der Titel des neusten Films, der am Wochenende in den Kinos anläuft: «Das Rössli, die Seele eines Dorfes». Es geht um die älteste Taverne in Root, ein barockes Bauernhaus aus dem Jahr 1751, das zwanzig Jahre lang leer gestanden hat.

Vom Schandfleck zum Preisträger

Lange galt es als Geisterhaus und Schandfleck. Nach einem Um- und Anbau wurde es kürzlich als «Rössli hü» zum «historischen Schweizer Restaurant des Jahres 2020» erkoren. Die Verwandlung vom Abbruchobjekt zum neuen Aushängeschild von Root haben Haselbeck und Langjahr in einer fünfjährigen Langzeitbeobachtung festgehalten.
Erich Langjahr hat es vor 40 Jahren nach Root verschlagen. In Zug fand er damals keine bezahlbare Wohnung. Hier aber konnte er einen Teil eines alten Tätschhauses erwerben.

Als in Root der Abfall qualmte
Das Dorf in der Mitte zwischen Zug und Luzern war damals noch für seine zahlreichen alten Bauernhäuser bekannt, welche die Hauptstrasse und die Umgebung der Kirche säumten. Klebdächer, Geranien, Wiesen mit Hochstammbäumen, aber auch eine offene Deponie, auf der man Fernseher und alles Mögliche abfackelte – was Langjahr in einem seiner ersten Kurzfilme «Do it yourself» (1982) dokumentierte.

Seither hat sich Root stark verändert. Es wurde grau und kam herunter. Es erlebte in den letzten Jahren auch wieder eine Aufwertung mit zahlreichen neuen Wohnsiedlungen. Die alten Häuser aber sind zusehends verschwunden.

Sachlich und genau
Auch das «Rössli» wäre – wie sein neoklassizistischer Anbau – schon längst dem Abbruchhammer zum Opfer gefallen, wenn es 1998 nicht unter Denkmalschutz gestellt worden wäre. Es gibt in Root also genügend Geschichten für ein einfühlsames Filmepos. Dafür ist das Duo Haselbeck/Langjahr bekannt.

Doch ihr «Rooter Film», wie sie die Dokumentation nennen, ist nur am Rand nostalgisch. Sorgfältig und sensibel, gewiss – aber auch sachlich und nüchtern. Haselbeck und Langjahr interessieren sich dafür, unter welchen Voraussetzungen bauliches Erbe künftigen Generationen erhalten bleibt – wie dies konkret aussieht und wer dies namentlich bewerkstelligt.

Kopf aufgespiesst

Der Film beginnt mit einer Art Tonbildschau, mit alten Postkarten und Fotos von alten Theateraufführungen. Mit geschichtlichen Exkursen – etwa über den Rooter «Hirschenwirt» Hans Jacob Petermann, der anno 1712 in Luzern als Rädelsführer einer Revolte enthauptet wurde und dessen Kopf man an einem Stecken aufgespiesst am Weggistor zur Schau stellte. Seine Beiz liess die Obrigkeit schliessen, weswegen es in Root nur noch das «Rössli» gab, das darauf von der Familie Petermann neu erbaut wurde.

Es wird gezimmert und gehämmert
Wenig später im Film trifft man auf den letzten Wirt des «Rösslis», Bruno Steiner. Nach 20 Jahren Leerstand trifft er im Haus auf das Mobiliar und die Geräte der alten Gastwirtschaft, die immer noch herumstehen.

Dann wird um- und angebaut. Es kommen die Architekten zu Wort, Planer, die Bauführerin, der Bauchef der Gemeinde, die künftigen Gastronomen. Haselbeck und Langjahr machen deutlich, dass die Ertüchtigung eines denkmalgeschützten Baus eine anspruchsvolle Angelegenheit ist, die nach guten Spezialisten verlangt. Aber auch, dass trotz Denkmalschutz erstaunlich viele bauliche Veränderungen möglich sind, um das Gebäude nutzbar zu machen.

Aufwändige Restauration querfinanziert
Ausserdem braucht es eine Bauherrschaft, die bereit ist, die nötigen Mittel zu investieren – im Fall des «Rösslis» und seines neuen Anbaus 12 Millionen Franken. Investiert hat die gemeinnützige Stiftung Abendrot, eine Pensionskasse, welche die Liegenschaft von der Erbengemeinschaft der langjährigen Wirtefamilie Petermann gekauft hatte. Der zusätzliche Aufwand fürs «Rössli» wurde mit dem Bau von zwei Mehrfamilienhäusern auf der andern Strassenseite querfinanziert.

Auch ihr Bau ist im Film dokumentiert. So sieht man, dass der Preis für den Erhalt der «Seele des Dorfes» die gleichzeitige Erstellung von Neubauten ist, die zwar nicht hässlich sind, aber auch gesichtslos, mit wenig architektonischer Prägnanz.

Zeigen, wer die Handwerker sind und was sie tun
Langjahr und Haselbeck schauen im Film den Menschen zu. Den Bewohnerinnen und Bewohnern des Altersheims, welches in den neuen Zweckbauten Platz findet. Den Rooterinnen und Rootern, die immer wieder die «Rössli»-Baustelle besichtigen und sich über den gelungenen Umbau freuen.

Vor allem aber bildet der Film die Handwerker bei ihrer Tätigkeit ab. Restauratoren, Zimmerleute, Platten- und Eisenleger, Tapezierer und Gipser aus der Schweiz, dem Kosovo, Serbien, Italien, Spanien und Portugal.

Das Motto von Brecht
«Rössli, die Seele eines Dorfes» ist nicht nur eine Hommage an Root und ein Film über den Wandel der Luzerner Agglo, sondern ebenso sehr ein Denkmal für die Werktätigen.

Als Inspiration könnte das Gedicht «Fragen eines lesenden Arbeiters» (1935) des Dramatikers Bertolt Brecht gedient haben. «Wer baute das siebentorige Theben?», beginnt es. «In den Büchern stehen die Namen von Königen. Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt? Und das mehrmals zerstörte Babylon, wer baute es so viele Male auf?» Silvia Haselbeck und Erich Langjahr haben die Antwort unmittelbar vor ihrer eigenen Haustüre gesucht.

Zentral Plus, 22.11.2019, Markus Mathis

Gastfreundschaft und Geselligkeit: eine Dorfgeschichte und Handwerkermär

Ausgehend von dessen jüngster baulichen Umgestaltung erzählen Erich Langjahr und Silvia Haselbeck die bewegende Geschichte eines jahrhundertealten Dorfrestaurants im luzernischen Root.

Fast genau in der Mitte der Wegstrecke zwischen Zug und Luzern steht an einer Kreuzung in Root das Restaurant Rössli. Das barocke Blockhaus, 1751 erbaut und mit dem Tavernenrecht versehen, wurde von Anfang an als Gaststätte betrieben. 1877 um einem neoklassizistischen Anbau mit drei Sälen erweitert wurde das Rössli, an der Hauptkreuzung mitten im Dorf, zu dessen geselligem und kulturellem Mittelpunkt: Bis in die 1990er-Jahre führte die 1863 gegründete Theatergesellschaft Root im Saal des Rössli ihre kleineren oder grösseren Operetten auf.

242 Jahre lang wurde das Rössli von der Familie Petermann und deren Pächtern bewirtet, bis es 1993 schloss und für zwanzig Jahre in einen Dornröschenschlaf fiel. Der Anbau wurde 1997 abgerissen, das Originalhaus 1998 unter Denkmalschutz gestellt. In der Wahrnehmung der Dorfbevölkerung indes verkam das Rössli zu einem «Geisterhaus» und wurde als Schandfleck empfunden; als Silvia Haselbeck und Erich Langjahr 20 Jahre nach der Schliessung den letzten Rössli-Wirt zu einer Wiederbesichtigung begleiten, findet sich das Innere weitgehend unverändert, selbst das alte Mobiliar steht noch herum.

Mit dem Gestaltungsplan für das Dorf Root kommt 2014 neuer Wind in die Sache, das Rössli, inzwischen im Besitz der gemeinnützigen Stiftung Abendrot, wird in Rücksicht auf seine historische Substanz und mit Bezug zur neugestalteten Umgebung – die Kreuzung ist heute ein Kreisel und gegenüber vom Rössli, das heute «Rössli hü» heisst, steht eine Alterssiedlung – renoviert und erweitert.

Diese Restaurierungs- und Neubauarbeiten bilden den Kern dieser Langzeitstudie, die nach Angaben ihrer Macher einen rasanten kulturellen Wandel dokumentiert. Tatsächlich kennzeichnet Das Rössli, die Seele eines Dorfes wie alle Filme von Langjahr und Haselbeck (etwa: Hirtenreise ins dritte Jahrtausend (2002), Das Erbe der Bergler (2006), Für eine schöne Welt (2012)) eine grosse filmische Sorgfalt. Diese äussert sich im geschärften Blick fürs Handwerkliche und Gesichter ebenso, wie im feinfühligen Umgang mit den Beteiligten, der Geduld, mit der man Prozesse über Jahre beobachtet, sowie einer zurückhaltend präzisen Bild- und Ton-Gestaltung. Nichts Überflüssiges, sondern Fakten gibt es da, dezent eingesetzten Jazz und Bilder – zum Teil wunderschön fotografierte Bilder –, die für sich sprechen.

Cineman, 19. Nov. 2019, Irene Genhart

Die Wiederbelebung des «Rössli»

In seinem neuen Film dokumentiert der bekannte Regisseur Erich Langjahr zusammen mit seiner Frau Silvia Haselbeck die Rettung einer fast 300 Jahre alten Dorfbeiz. Geri Krebs 2200 traditionelle Restaurants und Gaststätten haben im Jahr 2018 in der Schweiz ihren Betrieb eingestellt, die meisten davon in ländlichen Regionen. Das «Rössli» in Root gehörte nicht dazu, es hatte bereits seit 1993 geschlossen. Bereits in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts setzte das Beizensterben ein, hat sich in den letzten 20 Jahren aber noch beschleunigt.

Das 1751 erbaute Gebäude des «Rössli» im Zentrum von Root stand während über 20 Jahren leer, rottete vor sich hin – auch nachdem es 1998 unter kantonalen Denkmalschutz gestellt worden war. Lange war nicht klar, was mit dem fünfgeschossigen stattlichen Bau geschehen sollte. Erst 2013 wendete sich das Blatt. Mit der Stiftung Abendrot, die auf der anderen Strassenseite eine Wohnüberbauung realisierte, fand sich ein Investor, der eine umfassende Renovation und Restaurierung des «Rössli» finanzierte. An dieser Stelle setzt der Dokumentarfilm von Erich Langjahr und Silvia Haselbeck ein. Das Paar wohnt seit einem Vierteljahrhundert in Root in einem alten Bauernhaus – nur wenige hundert Meter vom «Rössli» entfernt. So war es für die beiden kein Problem, in ihrer Langzeitbeobachtung während fünf Jahren, von 2014 bis 2019, unermüdlich mit der Kamera vor Ort zu sein, aus nächster Nähe zu dokumentieren, wie aus einem toten Schandfleck ein Kleinod entstand, in das allmählich Leben einzog und das seit April dieses Jahres wieder als Restaurant funktioniert.

Betonieren, hämmern, bohren, fräsen
Seit seinem ersten langen Dokumentarfilm «Morgarten findet statt» (1978) hat sich Erich Langjahr wie kein anderer Schweizer Filmregisseur als Chronist des Strukturwandels im ländlichen Raum der Zentralschweiz profiliert. Dabei geht es in all seinen Filmen um bäuerliches Leben oder um handwerklich tätige Menschen. Die Faszination für Leute, die mit ihren Händen etwas erschaffen, durchzieht wie ein roter Faden das ganze filmische Werk des 1944 in Baar geborenen Cineasten. Das ist auch in «Das Rössli, die Seele eines Dorfes» nicht anders.

Am Anfang des Films stehen Postkarten mit alten Ansichten des Gasthauses, man erlebt daraufhin den ehemaligen Wirt, wie er den Filmemacher durch die leer stehenden Räume der Küche und der Wirtsstube führt. Diese von Verfall und Niedergang gekennzeichneten Szenen stehen in starkem Kontrast zu dem, was in der Folge weite Teile des dialogarmen, ganz aus seinen Bildern heraus lebenden Films prägt: die Arbeit der zahlreichen Handwerker, in deren Zusammenspiel dem einst verfallenen Gebäude zu neuem Leben verholfen wird. Dabei stellt der Film all die wortlos ihrer Arbeit nachgehenden Handwerker mit Namen vor. Unter den Männern aus fast ganz Europa finden sich Schaler, Eisenleger, Schreiner, Maler, Plattenleger und viele weitere Berufsleute, in deren Rhythmus etwas Neues entsteht – in einem faszinierenden Film, der in sorgfältig komponierten Szenen die Arbeit mit den Händen feiert.

Zuger Presse, 20. Nov. 2019, Geri Krebs

Die Seele eines Dorfes

Im neuesten Film von Erich Langjahr und Silvia Haselbeck steht das «Gasthaus Rössli» im Mittelpunkt und feiert seine Premiere am 24. November im Luzerner Kino Bourbaki. Er dokumentiert eindrücklich die Geschichte des Gebäudes bis in die Neuzeit und lenkt seine Wertschätzung auf die Handwerker, die dem einstigen Geisterhaus zu neuem Glanz verhalfen.

Root Das «Rössli» in Root steht exemplarisch für viele andere geschichtsträchtige Gasthäuser in der Schweiz, mit dem Unterschied, dass es einige von ihnen nicht mehr gibt. Im Film von Erich Langjahr und Silvia Haselbeck erhält der Zuschauer ein paar informative Eckpfeiler zur Gaststätte, die 242 Jahre im Besitze der Familie Petermann war. Vor über 20 Iahren, mit dem Abriss des Anbaus samt Theatersaal, begann eine Verwahrlosung des «Rössli». Bezeichnungen wie «Schandfleck» und «Geisterhaus» hielten sich hartnäckig bis 2014 eine Wende eintrat. Das «Rössli» wurde restauriert und ein Neubau erstellt. Der Film führt den Zuschauer in die Räumlichkeiten des einstigen Gasthauses, gibt Einblick in die Renovations- und Bauarbeiten auch bei der Realisierung der neuen Alterssiedlung vis a vis des «Rössli». Eindrücklich fängt die Kamera immer wieder für ein paar Sekunden die Tätigkeiten eines Handwerkers und sein Gesicht ein. Im Abspann werden sie und auch alle anderen im Film involvierten Personen erwähnt. So ist denn das knapp 70-minütige Werk von Erich Langjahr und Silvia Haselbeck nicht nur ein dokumentarisches Zeitzeugnis, sondern führt hinter die Kulissen von Bauarbeiten. Der Film ist wertschätzend, macht Mut, verurteilt nicht und lässt nachdenken. Wer die Arbeit beider Filmschaffenden kennt, wird auch diesen Film faszinierend finden.

Do it yourself
«Das Rössli – die Seele eines Dorfes» feiert seine Premiere am Sonntag, 24. November, 10.30 Uhr, in Anwesenheit von Erich Langjahr und Silvia Haselbeck im Luzerner Kino Bourbaki, und wird hier am 1. Dezember, 10.30 Uhr, nochmals vorgeführt. Weitere Vorführungsorte und Daten: www.langjahr-film.ch. Im Vorprogramm zu sehen: «Do It Yourself» von Erich Langjahr und Walter Marti aus dem Iahre 1982 (restaurierte Filmfassung). Dieser Kurzfilm thematisiert die Wegwerfgesellschaft auf beeindruckende Art. Gedreht wurde er bei einer Güselgrube hinter dem «Rössli».

Luzerner Rundschau, 14. Nov. 2019, Claudia Surek

Wie dem «Rössli» neues Leben eingehaucht wurde

Dokumentarfilm im Kino Passerelle in Wattwil zeigt den steinernen Weg heutiger Beizen
Der neue Film von Erich Langjahr und Silvia Haselbeck thematisiert das Beizensterben. Auch das Toggenburg ist davon betroffen.

Was die Restaurants Toggenburg in Wattwil, Steigrüthi in Lichtensteig und viele weitere im Toggenburg gemeinsam haben? Sie wurden verlassen und haben mit ihren Besitzerinnen und Besitzern auch ihre Seele verloren. Sie sind Beispiele des Beizensterbens.

Das gleiche Schicksal erlitt das Restaurant Rössli in Root im Kanton Luzern. Doch dieses wurde renoviert. Erich Langjahr und Silvia Haselbeck begleiteten die Renovation des ehemaligen Dorfzentrums mit der Kamera. Am Dienstag waren sie im Kino Passerelle zu Besuch, um mit den Leuten aus dem Toggenburg über das auch hier aktuelle Thema zu diskutieren.

Treffen der Urgesteine des Kinos und Films
Als Treffen der Urgesteine des Kinos und Films bezeichnete Peter Bötschi, Geschäftsführer des Kinos Passerelle, den Besuch Erich Langjahrs und Silvia Haselbecks am Dienstagabend. Alle Filme Langjahrs wurden bisher im Passerelle gezeigt, so auch der neue Film «Das Rössli, die Seele eines Dorfes». Denn, so Bötschi: «Tote Rössli gibt es in jeder Gegend. Manchmal heissen sie einfach Hirschen oder Leuen.»

Als Vorfilm wurde das Werk «Do It Yourself» von Langjahr aus dem Jahr 1982 gespielt. Dabei geht es um eine ehemalige Müllhalde, die sich direkt hinter dem Gasthaus namens «Rössli» befand. Bis im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts wurden dort Unmengen an alten Fernsehern und weiteren Geräten verbrannt. Grund dafür waren die neuen Farbfernseher, weshalb die bisher genutzten Schwarz-Weiss-Bildschirme keinen Gebrauch mehr fanden. Die Transformation hin zur «Wegwerfgesellschaft» war schon damals in vollem Gange.

Das Thema des Wandels zieht sich auch durch den Hauptfilm Langjahrs, genauso wie das «Rössli» darin vorkommt. Über fünf Jahre hinweg begleiteten Langjahr und Haselbeck, die in Root wohnhaft sind, das Bauprojekt. So wie sich die Fernseher veränderten, tun dies auch die ländlichen Gasthäuser. Einst war das «Rössli» der Dorfmittelpunkt, wie eine aus Root angereiste Zuschauerin erzählt: «Wollte man etwas erleben, ging man ins Rössli.»

Der Film erzählt die Geschichte einer Wirtschaft, die 1751 erbaut wurde und sich rasch zum Dorfzentrum entwickelte sowie zur Identität der Einheimischen gehörte. 242 Jahre lang bewirtschaftete die Familie Petermann das Gasthaus, bis es in den 90er-Jahren dem Niedergang geweiht war. Als der Anbau abgerissen wurde, konnte das barocke Bauernhaus «Rössli» selbst im Jahr 1998 nur dank dem Denkmalschutz vor dem Abriss bewahrt werden. Nachdem es lange leer stand und mit Begriffen wie «Schandfleck» oder «Geisterhaus» beschrieben wurde, investierte die Stiftung Abendrot 12 Millionen Franken in die Renovierung des «Rösslis» und den Neubau des Anbaus.

Dokumentarfilm und Einblick in den Bau zugleich
Neben der Geschichte des «Rösslis» gewährt der Film einen Einblick hinter die Kulissen des Baus, der 2014 begann. «Ich wollte schon immer einen Film über eine Baustelle drehen», sagt Langjahr dazu. Fast alle am Bau beteiligten Leute wurden mit der Kamera begleitet, wodurch diese ein Gesicht bekamen. Auffallend sind dabei die unterschiedlichen Herkünfte aus ganz Europa, passend zum Thema des Wandels.

Seit April dieses Jahres ist das Gasthaus wieder in Betrieb, neu unter dem Namen «Rössli hü». Nun müsse sich eine neue Seele bilden, so Haselbeck. Was mit den «Rössli» in anderen Ortschaften passiert, dürfte in Zukunft noch für Gesprächsstoff sorgen. Klar ist, dass der Kulturwandel weitergehen wird.

St. Galler Tagblatt, 27.11.2019, Julia Engel

6037 Root LU: Rössli, reloaded

2019 sind gegen 2400 Beizen aus dem Handelsregister verschwunden. Ein Viertel davon ging pleite; Wirte machen mehr als doppelt so häufig Konkurs wie andere Firmengründer. 2019 wurden aber auch fast 2100 neue Lokale eröffnet, darunter dieses eine Rössli.

Die sechzig Plätze an den alten und neuen Schiefertischen sind auch kurz vor zwei Uhr nachmittags noch recht gut belegt. Forellenfilet mit Bratkartoffeln und eingelegtem Spargel stand auf der Mittagskarte, für 23 Franken mit Suppe, Salat und selbstgemachtem Sirup. Beinahe Verlorenes zu neuem Leben erwecken: das ist nicht nur das Motto der Küche, in der man einlegt, einsalzt, dörrt und fermentiert. Der Satz fasst auch die jüngere Geschichte dieses Rösslis zusammen.

Erich Langjahr und Silvia Haselbeck haben diese Geschichte festgehalten. Die beiden Filmer sitzen im «Säli Kachelofen» und trinken Kaffee. Lange habe niemand zu hoffen gewagt, dass das Rössli auferstehe, sagt Langjahr. Das 1751 gebaute Gasthaus war mehr als 200 Jahre lang der Mittelpunkt des Dorflebens. Hier wurde getanzt, hier vergnügte man sich beim Lotto; hier probte die Feldmusik, und die Theatergesellschaft führte ihre Operetten auf; sogar die Gemeindeversammlungen fanden im Rössli statt. Aber ab 1994 stand das Haus 20 Jahre leer, und je länger das dauerte, desto teurer und unwahrscheinlicher wurde eine Renovation. Wäre der «Schandfleck mitten im Dorf» nicht unter Denkmalschutz gestellt worden, wäre das Rössli wohl verschwunden wie so viele historische Gebäude im luzernischen Root.

Dann aber kam die Stiftung Abendrot, eine Pensionskasse, die nur nachhaltig anlegen will. 2013 kaufte sie das Rössli und das Bauland gegenüber, mit neuen Wohnungen und einer Alterssiedlung finanzierte sie die Renovation und den Anbau des Rösslis quer.

«Uns war sofort klar, dass wir das festhalten wollten», sagt Langjahr. Schliesslich hatte er sich schon in seinem grössten Erfolg, «Hirtenreise ins 3.Jahrtausend», für die Schnittstellen von Tradition und Zukunft interessiert. Ausserdem lebte das Ehepaar ganz in der Nähe im ältesten Haus von Root; sie hatten den Zerfall des Rösslis damit Tag für Tag vor Augen. Und weil die beiden auch noch das Dorfmuseum betreiben, passte alles zusammen. Erich Langjahr und Silvia Haselbeck begleiteten die Architekten und die Bauleiterin, die Bodenleger, Schreiner und Restauratorinnen und filmten, wie eine beinahe verlorene Vergangenheit wieder zu Leben erwacht. Im November ist «Das Rössli, die Seele eines Dorfes» in den Kinos angelaufen; es ist die Verfilmung eines fünf Jahre dauernden Happy Ends.

NZZ Folio, März 2020, Barbara Klingbacher, «Hü, Rössli».