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Eugen heisst wohlgeboren

Suisse 1968. 35mm, couleurs, 100 min.

Eugen heisst wohlgeboren

Eugène est un Suisse. Désireux de se marier, ce qui comporte des risques, il s'entoure de sécurités et ne néglige aucune des précautions possibles. Cette comédie à petit budget, parlée en suisse-allemand, fut réalisée aux risques et périls des producteurs, sans appui d'aucune sorte. La loi fédérale d'aide au cinéma de fiction n'est apparue qu'ensuite.

RéalisationRolf Lyssy
ScénarioRolf Lyssy, Reni Mertens, Walter Marti
AvecKurt Bigger, Heddy-Maria Wettstein, Hans Schaad, Albert Schuppli, Oskar Glaus, J. Jöri und andere.
CaméraRob Gnant
SonWerner Leonhardt
MusiquePaul Burkhard
Durée100 min.
Format35mm
Format tournage35mm
Création28.8.1968 Zürich
Dumont/TortajadaNr. 20
ProductionTeleproduction Zürich
Droits mondiauxLangjahr-Film GmbH
Distribution en Suisse
et internationale
Langjahr-Film GmbH, Luegstrasse 13, CH-6037 Root
Tel. +41-41-450 22 52 – Fax +41-41-450 22 51
E-mail: info@langjahr-film.chenvoyer ce messagewww.langjahr-film.ch

lieux de projection


Extraits de presse:   ▶ allemand   


Extraits de presse (allemand)

«Der Film, eine leicht groteske Komödie um einen verklemmten Schweizer, der über den Computer eine Frau sucht, hatte keinen Erfolg und liess die Teleproduction auf einem Schuldenberg sitzen, den Marti/Mertens während Jahren abtragen mussten. Damit war ihnen als Autoren jeder Spielraum genommen, denn auch als Produzenten konnten sie nichts mehr wagen. In diese Lage waren sie nicht zuletzt deshalb geraten, weil sie den Film sozusagen zu früh produziert hatten. Weil das erste Filmgesetz von 1963 lediglich die Unterstützung und Förderung von «kulturell oder staatspolitisch wertvollen Kultur-, Dokumentar- und Erziehungsfilmen» vorsah, war ein Beitragsgesuch für Lyssys Spielfilm abgelehnt worden. Erst das revidierte Filmgesetz von 1969 ermöglichte auch die Förderung von Spielfilmen. Die materielle Investition in Rolf Lyssys Film haben Marti/Mertens verloren. Es bleibt ihnen die Genugtuung, dass sich, wie bei Tanner, das Vertrauen in Lyssys Qualitäten als richtig erwiesen hat. Mit Die Schweizermacher hat er den bis heute erfolgreichsten Schweizer Film geschaffen.»

Franz Ulrich, in: Der Würde des Menschen verpflichtet (Reni Merntens, Walter Marti. Dossier Pro Helvetia 1983, p. 23)

Eugen heisst wohlgeboren

Meisterwerke wachsen nicht aus dem Nichts, meinte Walter Marti anlässlich der Premiere. Solcher Einsicht entspricht die Politik des Produktionsteams, das er mit Reni Mertens zusammen führt. Das Notwendige und das Mögliche auf einen Nenner zu bringen, versuchen Marti und seine Mitarbeiter mit jedem einzelnen ihrer Filme; insgesamt aber scheinen sie einer Linie schrittweiser Steigerung der Ansprüche zu folgen. Diesmal ist es der Schritt vom Dokumentar- zum Spielfilm, der gewagt wurde. Dabei wird man Marti zustimmen müssen: Ein rundes Meisterwerk ist mit «Eugen heisst wohlgeboren» nicht zustande­gekom­men. Dennoch kann die Arbeit bestehen. Sie hat etwas mitzuteilen, was zur Kenntnis zu nehmen sich lohnt, und sie findet dafür eine mögliche Form. Hinzu kommt: Man unterhält sich mit «Eugen» nicht schlecht!

«Eugen heisst wohlgeboren» ist ein heiterer Film. Oder soll man sagen: Eine Komödie? Aber das weckt falsche Erwartungen, vielleicht auch falsche Befürchtungen. Das Porträt eines jungen Mannes wird gegeben, der — so um die Dreissig, findet Vater, sei es an der Zeit — heiraten will. Vorläufig fehlt ihm dafür etwas Wesentliches: Eine Frau. Dem Mangel abzuhelfen, auf zeitgemässe Art, nimmt er die Hilfe des Computers in Anspruch. Es braucht nicht weiter ausgemalt zu werden, welche Fülle von bewährten Pointen rund um dieses Thema bereitliegen. Aber ganz so bequem macht es sich Rolf Lyssy, der den Film in Zusammenarbeit mit den Produzenten geschaffen hat, doch nicht. Er sucht nicht die turbulente Lustigkeit, die den Zuschauer Zeit und Probleme vergessen lässt, sondern das Schmunzeln, das einer lächelnd vorgetragenen Wahrheit in Freiheit zustimmt.

Gestalterisch wagt Lyssy einen nicht ganz leichten — und auch nicht durchwegs gelungenen — Balance-Akt. Von der exakten Beobachtung alltäglicher Situationen geht er aus. Dabei ist ihm Rob Gnants im Dokumentaren geübte Kamera eine wertvolle Helferin, die man bloss im Verdacht hat, bei gewissen Längen zuviel Rücksicht beansprucht zu haben. Wirklichkeitsnah sind auch die Dialoge geraten, die mit den Darstellern zusammen erarbeitet wurden und den Beweis erbringen, dass schweizerische Mundart auch im Kino ganz vernünftig tönen kann. Die Szenen, die so entstehen und oftmals den Zuschauer amüsieren, weil er sich erinnert oder ertappt fühlt, sind aber zugleich auf Typisierung hin angelegt. Komische Züge werden betont und musikalisch (Paul Burkhard) ironisiert. Gelegentlich wird der Schritt zur grotesken Verdeutlichung gewagt, etwa in der Weise, dass Eugens Beschäftigung mit dem anderen Geschlecht sehr «plastischen» Charakter annimmt.

Groteske Einfälle finden verständlicherweise die lauteste Zustimmung im Kinosaal. Aber der eigentümliche Reiz des Films liegt eher in unschein­baren Kleinigkeiten, die dem Zuschauer eben jenes Lächeln der Einsicht entlocken. Auch hier versucht Lyssy Typisches herauszuschälen. Dass beispielsweise Eugen in Nebensachen Fantasie entwickelt, wenn er Orgel spielt, ein Fest organisiert oder im Spielwarenladen stöbert, dass er anderseits sein wichtigeres Problem mit zwar forscher, aber doch ungelenker Gründlichkeit angeht, kennzeichnet die Verbannung schöpferischer Kräfte ins Reservat der Freizeit; oder wie der junge Mann sich eifrig für Computer, Möbel, Ringe und Versicherungen interessiert, vor der entscheidenden persönlichen Begegnung aber zögert, darin liegt eine kritische Interpretation von Eugens etwas selbstzufriedenem Einzelgängertum. «Eugen heisst wohlgeboren» ist so ein intelligent gemachtes Spiegelbild gewisser nicht unschweizerischer Eigenarten, das man sich mit Gewinn vorhalten lässt. Ob dieser erfreulichen Tatsache braucht man nicht zu verschweigen, dass der Film auch Partien kennt, in denen die Substanz dünn und das Gefüge locker wird; dass nicht alle Szenen richtig tragen, und dass es nicht ohne Schwerfälligkeiten abgeht.

Das Werk, mit dem der Schweizerfilm künstlerischen und wenn möglich wirtschaftlichen Höhenflug antritt, ist noch nicht geschaffen. Aber ein weiterer Schritt auf dem Weg zu solchem Ziel ist doch getan.

ejW / Der Filmberater 10/1968, Seite 152f.


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