Ex Voto

Schweiz 1986. 35mm + 16mm, Farbe, 106 min.

Ex Voto Ex Voto Ex Voto affiche

Mit diesem Film löse ich mein Versprechen ein, die Landschaft meiner Jugend zu filmen. Dieses Versprechen ist ein Gelübde.

»Der Anfang liegt beim Film "Morgarten findet statt". Im Verstehen-wollen der komplexen Kulturverhältnisse der Innerschweiz wollte ich mittels des Films weiter ergründen, wer ich bin und welche Einflüsse mich geprägt haben. In der Fortsetzung der Betrachtung meiner Heimat, hatte ich das Bedürfnis, dem Elementaren des Lebens und Überlebens näher zu kommen. So bin ich mit der Kamera durch mein Land gezogen und habe all das aufgenommen, was mir begegnet ist. Während der Arbeit wurde mir klar, dass der Film eine Selbstbesinnung auf meine eigenen geistig-seelischen Bedürfnisse ist.  Ich habe versucht, eine Antwort zu finden, mir bewusst zu werden, was meine elementaren Empfindungen sind, von denen ich glaube, dass es bei meinen Mitmenschen gar nicht andere sind. 

Es ist der Versuch zu fassen, was es bedeutet eine HEIMAT zu haben. Mit allen Widersprüchen. HEUTE...HIER...« – Erich Langjahr

RegieErich Langjahr
DrehbuchErich Langjahr
MitwirkendeTrudi Heggli und Familie, Geschwister Zürcher, Moritz Jäggi, Ottomar Lang (dipl. Landschaftsarchitekt), Schwestern des Klosters "Maria Hilf" Gubel, Teilnehmer der Gedenkfeier 450 Jahre Kappeler Milchsuppe
KameraErich Langjahr
TonErich Langjahr
SchnittErich Langjahr
MusikMani Planzer
Musiker: Mark Albisser, Hans Kennel, Hans Koch, Edwin Küttel, Ueli Leimgruber, Philipp Maag
MitarbeitPeter Paul Alig, Isabela Feyfar, Steff Gruber, Walter Marti, Susi Schneider, Maria Schnitzer, Fritz Zaugg, Manfred Züfle, Robert W. Zeller
Mischung: Eugen Surbeck
Dauer106 min.
Format35mm + 16mm
Verkauf DVD/VideoDVD   [Bestellen]
FestivalsSolothurn, Nyon, Locarno, Mannheim (DE), Duisburg (DE), Leipzig (DDR), München (DE), Würzburg (DE), Wien (AT), Freistadt (AT), Paris (FR), Aurillac (FR), Rimini (IT), Trento (IT), Kopenhagen (DK), Edinburgh (GB), Los Angeles (USA)
Pro Helvetia: Augsburg (DE), Potsdam (DE), Leipzig (DDR), Bordeaux (FR), London (GB), Luxembourg (LU), Holland (NL), New York (USA)
Auszeichnungen/PreiseQualitätsprämie Eidg. Departement des Innern
Premier Prix du Jury Oecuménique Festival Int. Nyon 1986
"Prix spécial" du Cinéma du réel, Centre national d'art et de culture Georges Pompidou, Paris 1987
Ausgewählt "best european films" Europacinema, Rimini 1987
Spezialpreis der Int. Jury, Leipziger Dokfilmwoche 1987
Förderungspreis der Innerschweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft IRG 1987
Kunstpreis (Anerkennungspreis) der Stadt Luzern 1987
KinosSchweiz: Programmkino in Luzern, Zug, Zürich, Bern, Basel, St. Gallen und Vorstellungen an 40 verschiedenen Orten
Deutschland: Villingen, Karlsruhe, Pforzheim, Schwäbisch Hall, Schorndorf, Berlin, Konstanz, Dortmund.
Frankreich: Verleih Centre national de la Cinématographie
TV-AusstrahlungenDRS, TV Suisse Romande, 3-SAT, Süddeutscher Rundfunk, Japanese TV Networks, Planete
Produktion35mm, 110 Min., Farbe, Lichtton Dolby SR, 1:1.37 - 1:1.66, Schweizerdeutsch
35mm, 110 Min., Farbe, Lichtton Dolby SR, 1:1.37 - 1:1.66, Schweizerdeutsch, untertitelt deutsch/französisch
16mm, 110 Min., Farbe, Lichtton, Schweizerdeutsch
Untertitelversionen: deutsch, französisch, englisch
WeltrechteLangjahr-Film GmbH
Verleih Schweiz
und international
Langjahr-Film GmbH, Luegstrasse 13, CH-6037 Root
Tel. +41-41-450 22 52 – Fax +41-41-450 22 51
E-mail: info@langjahr-film.chMitteilung sendenwww.langjahr-film.ch

Pressestimmen

 

«Ex Voto» von Erich Langjahr.
Über einen Zuger Dokumentarfilm, über das Echo auf diesen Film und über die Hintergründe der Arbeit an diesem Film.

Niklaus Oberholzer, Zuger Neujahrsblatt 1988, pp. 97-104 (PDF)

Ex Voto ist ein Film, der ein Bekenntnis in dem Masse ist, als über Enttäuschung und Trauer hinaus an eine Zukunft geglaubt wird. Für diese Zukunft wird ein Engagement geleistet, das Respekt verdient.

Martin Schlappner

Das abgelegte Gelübde, ein Bild von der Landschaft seiner Jugend zu machen, ergänzt sich mit einer Abfolge von sorgfältig zusammengesuchten, seit 1979 gesammelten Bildern zu einer Komposition von einzigartigen Votivtafeln mit widersprüchlichem Aussagewert.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Marli Feldvoss

Der Schweizer Film "Ex Voto", ein Filmgedicht in lyrischen Bildern über die Innerschweiz, das meisterlich eine Identitätssuche unternimmt, ein Wechsel von Annäherung und Entfernung an das Wort Heimat.

Sächsisches Tagblatt, Sabine Jagst

Eine raffinierte Montage, die sich immer wieder zu atemberaubenden Passagen aufschwingt, verknüpft die Bilder und Sequenzen zu einem optischen Teppich, in dem die Themenfäden durcheinanderlaufen, verschwinden, wieder auftauchen und ein poetisches und zugleich provokatives Werk entstehen lassen.

Franz Ulrich

Das liebevolle Erfassen einer Landschaft und deren allmählicher Zerstörung, das Leben und Sterben von Bauern eines Innerschweizer Dorfes, archaische Frömmigkeit, bäuerliche Lebensbewältigung. Europas Mitte erscheint wie das Innere eines vergessenen Erdteils.

Süddeutsche Zeitung, Oskar Holl

Ausgerechnet ein Film, der sein Thema und seine poetische Inspiration einer starken regionalen Verwurzelung verdankt, hat die Gespräche unter dem internationalen Publikum in Nyon wohl am nachhaltigsten geprägt. 

Zoom, Matthias Loretan


Das »Gedankengebäude«

Erich Langjahr hat nicht ohne Grund dem schematischen Aufbau seines Films die Form eines Hauses gegeben. Es ist das Haus, in dem er lebt und gleichzeitig ist es das Haus, weiches wir uns bauen aus Gedanken und Erinnerungen, das Haus, welches in uns wächst mit jedem Jahr. In ihm verbinden sich Aussen und Innen, und wie Jahrringe der Vertrautheit setzen wir die Begegnungen mit Menschen, Häusern und Landschaften, die Erfahrungen von Glauben und Liebe, die Hoffnungen, Enttäuschungen und Verletzungen an. Sie wachsen unter der Rinde, dem Mantel, den man Heimat nennen könnte.

GedankengebäudeDer Stationen sind viele, an denen der Film haltmacht. Sie könnten an einem Kreuzweg stehen, aber ebensogut wären sie als Tagebucheintragungen zu begreifen oder eben durch die minutiöse Schnitt- und Gestaltungsarbeit – als Verse und Strophen eines Gedichts.

Den Rahmen bildet die Landschaft, bilden Berge und Hügel, bildet der Horizont im Rhythmus der Jahreszeiten. In ihm bewegen sich die Menschen. Sie feiern Weihnachten. Sie gedenken in historischem Spiel der Kappeler Milchsuppe. Sie pflegen die Bäume, die Gärten, die Äcker, die Tiere. Sie schlachten sie auch, pflücken Kirschen, heuen. Einzelne lernt man kennen: den alten Bauer Jäggi, die Nonnen aus dem nahen Kloster, die Familie Hegglin, die singend, dichtend und «Muulörgeli» spielend Gott dankt für dieses Leben, für Blumen und Sonne.

Eine Kraft geht von dieser einfachen fast kindlichen Frau aus, die uns durch den ganzen Film begleitet. So naiv ihr Ursprung auch sein mag, stellt sie sich doch dem Irrsinn entgegen, der von allen Seiten das hier dargestellte Stück Heimat bedroht, im Projekt Rothenthurm, in der gigantischen, landschaftsverändernden Kiesausbeutung, in der mechanisier ten Kirschenernte, bei der die Bäume von eiserner Baggerfaust geschüttelt werden, in der Zerstörung der alten Hofstatt, dem Moto Cross, im Abbruch der Kirche, in den Neu bauten, den Autobahnen, dem Defilee.

Wie sagt doch in Werner Herzogs «Stroszek» der «tumbe» Bruno S., welcher seine Heimat verlassen hat, um in Amerika eine neue zu finden, als man ihm seinen Vogel konfisziert: «Was ist das für ein Land, das dem Bruno seinen Beo wegnehmen tut?» Nur kann eben die Zeit nichts dafür, weil wir Menschen uns unserer Wurzeln selbst entledigen, weil wir selbst niederreissen, was uns Geborgenheit gegeben hat, weil wir zur Wüste machen, was unsere Zukunft gewesen ist. Erich Langjahrs Film ist jedoch kein Pamphlet, kein agitatorisches Werk, sondern ein Filmgedicht, geschrieben im Rhythmus bewussten Lebens und Erlebens, ein Filmlied, komponiert aus den gesammelten Bildern des Alltags, der Jahreszeiten, der Augenblicke.

Unter den Titel «Ex Voto», der auf dem Filmplan sozusagen das Giebelfenster bildet, fasst Erich Langjahr die Begriffe «Glauben», «öffentliches Bekenntnis», «Rettung», «Dank» und «Einhalten des Gelübdes» zusammen, eine Definition, die den Film trägt. «Heimat» andererseits bedeutet Identität in erster Linie, dann aber auch den Willen, das Land zu verteidigen, die Freiheit, die Geborgenheit und die Sicherheit und damit die Zukunft.

DER BUND, Fred Zaugg 

«Ex Voto» von Erich Langjahr.»

Über einen Zuger Dokumentarfilm, über das Echo auf diesen Film und über die Hintergründe der Arbeit an diesem Film.

Niklaus Oberholzer, Zuger Neujahrsblatt 1988, pp. 97-104 (PDF)