Das Erbe der Bergler (Alpine Saga)

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Zitate deutsch

«Das Erbe der Bergler» rettet die Vergangenheit vor dem Vergessen ... der vielleicht schönste Film von Locarno.

Ralf Schenk, Berliner Zeitung

Alles hat seine Zeit, seinen Ort, seinen Rhythmus und seine Präzision. 

Tages-Anzeiger, Christoph Schneider

Letztlich geht es um Griffe, Handgriffe, um das Greifen, das Er- und das Zugreifen und vor allem um das Begreifen.

Der Bund, Fred Zaugg

Arbeit und Meditiation in den Bergen als stille Suche nach der Wahrheit.

Giornale del Popolo, Daniela Persico 

... ein makelloses Meisterwerk.

Schweizer Radio DRS 2, Reflexe, Herbert Spaich

... Der Zuger Erich Langjahr huldigt in Das Erbe der Bergler einmal mehr bildgewaltig und spektakulär seiner Faszination für aussterbende bäuerliche Welten in der Schweiz; er zeigt die letzten Wildheuer im Muotatal bei ihrer gefährlichen Arbeit. ...

Tessiner Zeitung, Francesco Welti

... Erich Langjahrs in der Kritikerwoche gezeigter Essay "Das Erbe der Bergler" war einer der schönsten Filme des diesjährigen Festivals überhaupt. Mit der ihm eigenen Ruhe beschreibt Langjahr, wie im Muotatal Tradition am Leben erhalten wird. Bilder von atemberaubender Schönheit und die liebevolle Zuwendung zu den Menschen machen den Film zum Ereignis...

Peter Claus, Südostschweiz, 12. August 06 

Wir sind in unserem Innersten alle geblieben wie die Wildheuer, allerdings ohne jemals gewusst zu haben, was sie denn so ganz genau bewerkstelligen auf den Matten.

Pierre Lachat, Filmbulletin

... – wieder ein langjahrsches Bijou aus Brauchtum, Raum und Zeit und Klang.

Martin Walder, NZZ am Sonntag, 30. Juli 06

....Der Zuger Erich Langjahr huldigt in Das Erbe der Bergler einmal mehr bildgewaltig und spektakulär seiner Faszination für aussterbende bäuerliche Welten in der Schweiz; er zeigt die letzten Wildheuer im Muotatal bei ihrer gefährlichen Arbeit. .... 

Tessiner Zeitung, 3. August 06

Akribisch genau, aufmerksam geduldig und liebevoll zeigt Langjahr, wie Menschen sich tatkräftig um die Natur kümmern – ohne Leistungsdruck und kommerzielle Hintergedanken. Es ist das Werk eines meisterlichen Handwerkers, der die Kamera selber schultert, der keinen Einsatz, keine Hindernisse scheut, um seinem Thema Bilder abzuringen. Dabei nimmt sein Wildheuerfilm das Tempo, den Rhythmus der Wildheuer auf, lässt sich Zeit und setzt damit ein Zeitdokument gegen den Zeitstrom.

Semaine de la critique, Rolf Breiner

 

 Alle Pressestimmen / Revue de presse complète 

Wildheuerlied

Erich Langjahrs Filme stehen wie Findlinge in der Landschaft "Das Erbe der Bergler" in den stotzigen Hängen des Muotatals. Erzählt wird, warum Traditionen kostbar sind.

Martin Walder

Filme müssen heute schnell sein. "Ein Film muss nicht schnell sein, er kann auch langsam sein, aber er muss einen Rhythmus haben. "Was der 62-jährige Innerschweizer Erich Langjahr im Gespräch beiläufig sagt, ist eine Binsenwahrheit. Nur ist sie bei ihm nie wohlfeil, sondern bis in die Nischen von Raum und Zeit auf der Leinwand realisiert. Ein paar zehntausend Zuschauerinnen und Zuschauer hat er in seinem letzten Film zusammen mit einer Herde Schafe durchs halbe Land auf eine "Hirtenreise ins dritte Jahrtausend" gelockt - mit grossem Erfolg.

Weil seine Filme auf ihre eigene Weise so weltläufig sind und immer von heute aus erzählen, käme niemand auf die Idee, sie anachronistisch zu finden. Die Zeit ist ihr Thema Langjahr nimmt ihr den Puls an den Rändern von Landschaft und Landwirtschaft im Umbruch. Er ist selber ein notorischer Finder im Humus und im Müll unserer Zivilisation, gewissermassen ein Archäologe: im Parterre seines 300 Jahre alten Bauernhauses im Luzernischen hat er ein Museum eingerichtet. Über einen archäologischen Einsatz hat er einmal einen Film gedreht, hat den Leuten zugesehen, die stundenlang in unbequemer Stellung mit Schäufelchen und Pinseln Bergungsarbeit leisten. So eigensinnig und geduldig ist er auch selber zusammen mit seiner Frau und Partnerin Silvia Haselbeck.

Erich Langjahrs Zeitreisen sprechen ein Bedürfnis an: es sind keine Reisen aus der Zeit, sondern in die Zeit, in die Erfahrung von Zeit. Deshalb fragen wir uns ob seines neuen Films auch nicht, was uns um Himmels willen die paar Muotataler angehen, die die Tradition des Wildheuens lebendig erhalten, jedes Jahr am 1. August in die Berge gehen, um Gras zu schneiden und um die Planggen die Steilhänge vor der Erosion zu bewahren. Am Vorabend sind die Männer aufgestiegen, im steilen Zickzack über Felsbänder, bis zu den paar Hütten, die rittlings auf einer Krete hocken. Der 88 jährige Albert Gwerder lässt sich mit dem Helikopter hissen, er will nochmals dabei sein. Vor sechzig Jahren seien da jeweils 40 bis 50 Bauern ohne eigenes Land am Arbeiten gewesen, manchmal wochenlang, um sich die Existenz zu sichern. Am 1. August um sieben Uhr in der Früh werden die Planggen mit aus einer Schüssel gezogenen Zettelchen im sogenannten Zirknen zugeteilt. Ein Kaffee "mit etwas Geistigem" gehört dazu. Dann wird mit der Sense gemäht, das Heu gebündelt und an einem Seil talwärts sausen gelassen. Die Ballen werden in einem Schopf verstaut und im Winter mit dem Schlitten in schwankenden Fuhren ganz ins Tal gefahren. Der Kommentar des Films beschränkt sich auf die nötigsten Informationen. Geredet wird ohnehin fast nichts. Das macht den Raum weit auf für Töne und Klänge und ein aufmerksames Auge. Das Wetter wird gut sein, orakelt ein alter Mann am Anfang des Films aus der Art, wie die Tiere sich in einem Ameisenhaufen bewegen: ob sie kopflos betriebsam sind oder zielgerichtet. Die Muotataler sind berühmt für ihre Wetterprognosen. Was kann es heissen, eine Tradition zu verlebendigen? Erich Langjahr gibt die Antwort: indem nicht nur dokumentiert wird. Essenziell ist auch die Erinnerung an Mühsal und Glück wachzurufen und zu würdigen, wie früher in den zu meisternden Alltag investiert worden ist.

Dafür nimmt sich "Das Erbe der Bergler" seine Zeit, lässt uns mehrere Minuten lang zuschauen, wie mit Hingabe ein Paar Holzschuhe gefertigt wird, aus einem Stück mit heutigem Werkzeug gesägt, gefräst, geschnitzt und gehobelt, wie es, vom Schmied gehämmert, Steigeisen verpasst bekommt. Wenn der Bauer dann oben in der Plangge mit sicherem Tritt die Sense schwingt, wird klar weshalb.

Das wirkliche Gefühl fürs Gefälle geht auf der Leinwand rasch verloren. In diesem Film wirken die Hänge so stotzig, wie sie sind. Über unterschiedliche Distanzen und Perspektiven wird der Raum über dem Tal im Film erst wieder montiert. Und über die Klänge, ihre Reihung, ihre Staffelung in die Ferne komponiert. Vielleicht das Schönste ist hier, wie der Raum sich mindestens so sehr aus den Tönen wie aus den Bildern heraus konstituiert und verdichtet. Ein Film muss nicht schnell sein, aber er muss einen Rhythmus haben.

Das Kreischen der Holzsäge findet seine spätere Variation im Sirren der Holzklammern auf dem Stahlseil, wenn die angehängten Heuballen wie Meteoriten über Köpfe und Wipfel zu Tal flitzen und auf dem Boden aufschlagen. Das Hämmern auf dem Amboss hat ein Echo im Dengeln der Sensen. Das Knattern eines Motorrads tief unten im Tal begleitet oben das Zischen des Grases im Schnitt und das Piepen des kreisenden Bussards. Nach getaner Arbeit wird ein Motorrad den Heuer samt Hund nach Hause fahren, am Abend machen das Scheit auf dem Besenstiel und die Holzschuhe (ohne Eisen) auf den Bodenplanken in der Wirtschaft ihre eigene Musik. "Das Erbe der Bergler" ist in suggestiver Art lautmalerisch wie der Refrain alter Wildheuerlieder, die diese Arbeit besingen.

Zum Schluss schlüpft der Wildheuer von den Holzschuhen in die Inline-Skates und saust, im Alltagsleben ein Postangestellter, über den Asphalt davon. "Luegid vo Berg und Tal" stimmen aus dem Off Hans Kennels Büchel und Alphörner an: voll von Sentiment, ironisch zum Stakkato gebrochen, innig und witzig verspielt. Unsere Zeit hat uns wieder. Aber nicht ganz.

Martiin Walder, NZZ am Sonntag, 15.Oktober 2006

Heuen an den Hängen des Muotatals

Mit seinem neuen Film "Das Erbe der Bergler" setzt Erich Langjahr seine Erforschung der Nähe fort

Was ist es eigentlich das uns die Eltern mitgegeben haben: Diese Frage stellt Erich Langjahr seit langem sich und uns, mit der "Alpinen Saga" "Das Erbe der Bergler" direkter denn je.

Fred Zaugg

Seit einiger Zeit ist er ja arbeitsfrei, der 1. August unser Nationalfeiertag. Dies gilt nicht für die letzten Wildheuer im Muotatal im Kanton Schwyz. Jedes Jahr steigen sie am 1. August hinauf in den Hinteren Heubrig. Dort ist das Wiesland so steil und so gefahrvoll zu erreichen, dass es nicht beweidet werden kann. Aber fein duftendes Kräuterheu wird auf diesen Planggen seit Generationen geerntet und als Winterfutter zu Tal gebracht

Wie die Väter und Grossväter macht sich eine Handvoll Wildheuer mit dem Beginn des Erntemonats auf, die traditionelle Bewirtschaftung der Bergheimat fortzusetzen. Sie rüsten sich aus mit Sensen und Wetzsteinen, Heugaren, Griffholzschuhen und all dem für die fachmännische Ausführung der einzelnen Arbeitsetappen Notwendigen. Frühmorgens beginnt alles mit etwas Geistigem und einer Spende für die Messe. Dann wird gemäht: das rechte Knie gegen den Hang gestemmt. 

Auf den Schnitt und das Trocknen folgen die verschiedenen Phasen des Einbringens und schliesslich - viel später im Schnee - das Überführen mit Hornschlitten von den hoch gelegenen Schobern ins Tal. Es wäre schade, mehr zu verraten, denn hinter den einzelnen Verrichtungen verbirgt sich manchmal Thriller-Spannung und Komödien-Heiterkeit, Vier Jahre lang hat Erich Langjahr am Film "Das Erbe der Bergler" gedreht. Er zeigt uns jede Bewegung, jeden Schritt. Der Weg beginnt übrigens schon beim Holzschuhmacher Alois Langenegger.

Teil eines existenziellen Kampfs

Letztlich geht es um Griffe, Handgriffe, um das Greifen, das Er- und das Zugreifen und vor allem um das Begreifen. Das mag nach Schulmeisterei oder Ethnologiestudium klingen. Ist es jedoch nicht. Für sich und für uns erlebt Erich Langjahr mit seiner Kamera den Wildheuet in den Steilwiesen. Und dieses Erleben und Erfahren versteht er auf begeisternde Weise mit Bildern zu vermitteln. "Die Erben der Bergler sind für mich nicht nostalgische Zeugen einer versunkenen Überlebenskultur im Muotatal, sondern machen mir bewusst, was es bedeutet sich der Natur, das heisst den Bedingungen des Überlebens zu stellen, indem sie einen Teil des existenziellen Kampfes der Väter au echterhalten", schreibt er,

Damit wird klar, dass es nicht um konservatives, rückwärts gerichtetes Schauen und Denken, und noch weniger um verzweifeltes Bewahren oder Bezeugen für Kommende geht, sondern um Gegenwart, und in dieser Gegenwart um das Bewusstsein der Herkunft, um die Identität, die wir ja bekanntlich nur zu einem Teil selbst bestimmen. Leben steht im Zentrum, handelnde Menschen, die Erich Langjahr für seinen Film gewinnen konnte und die er richtigerweise Schauspieler nennt. Allerdings werden keine Rollen gespielt, sondern Einblicke ins Leben gewährt. Die Basis des Films bildet ein tiefes Vertrauen zu Erich Langjahr, an dem nun auch das Publikum teilhaben darf. Des Persönlichkeitsschutzes bedarf es nicht, weil Respekt und Achtung selbst verständlich sind.

Wilde Schönheit 

Als Hauptpersonen gibt es fünf "temporäre" Wildheuer, Meister ihres Fachs, hinter deren Namen es allerdings jenen Beruf zu setzen gilt, der die Existenz in der Muotataler Gegenwart ermöglicht beziehungsweise ermöglichte. Albert Gwerder (pensionierter Schreiner), Erich Gwerder (Postangestellter und Jäger), Alois Langenegger (Schreiner, Holzschuhmacher und Mänerflicker), Toni Schelbert (Postangestellter), Anton Büeler (pensionierter Wildhüter, Jäger und Jodler). In ihrem Umfeld sind der Wetterschmöcker Peter Suter (pensionierter Sandstrahler), der Schmied Josef Schelbert, der Besentänzer Heinz Gwerder, das Echo vom Schattähalb mit Daniel Schmidig, Cornel und Urs Schelbert, sowie Familienangehörige und so weiter zu finden. Und weiter spielt die Landschaft mit die Natur mit ihrem gewaltigen Gefälle und ihrer wilden Schönheit, die Bergwelt, deren Herausforderung der Mensch vor Jahrhunderten annahm, bis sie ihm irgendwann zur Heimat wurde.

Was die fünf Wildheuer Jahr für Jahr im August tun, entspricht nicht mehr existenzieller Notwendigkeit, aber jenes Wissen das gesammelt von Generationen eine Existenz ein Überleben in den Bergen erst ermöglichte ist als Essenz noch darin enthalten Und es stellt sich die Frage ob mit dem Wildheuet auf dem Hinteren Heubrig der irgendwann aufhören wird nicht et was sichtbar gemacht wird das uns erst eine Zukunft geben könnte das rechte Knie in der Erde des Gefälles das Augenmass für den Schnitt die Arbeit in der Gemeinschaft und das Zusammenleben mit der Natur Sind wir nicht zu sehr auf Verbrauchen Vergessen und oft sogar Verachten getrimmt?

Höchstmass an Freiheit

Seit seinem ersten langen Film "Morgarten findet statt" 1978 ist Erich Langjahr mit seiner Neugier de und seiner Kamera auf der Spur des Lebens Findet er es, so lässt er sich von ihm führen, sieht den Lichtzauber, die Hänge, begegnet Menschen mit ihrem Werken, Lachen und Tanzen, und findet möglicherweise erst viel später, beim Monate dauernden Schnitt, sich selbst. Indem er in sich Drehbuchautor, Regisseur, Kameramann, Cutter, Produzent und Verleiher vereinigt, hat er ein Höchstmass an Freiheit und Unabhängigkeit, trägt aber auch das ganze Risiko. Mit seiner Lebensgefährtin Silvia Haselbeck, die als Tontechnikerin und Assistentin wirkt, bildet Erich Langjahr ein seit Jahren bewährtes Team für die Entdeckung der eigenen Umgebung.

Fred Zaugg, Der Bund, 14, Oktober 2006

Die realistische Poesie des Heuens

Frei von ethnologischer Überheblichkeit: Der Regisseur Erich Langjahr dokumentiert in seinem neuen Film "Das Erbe der Bergler" eine Muotataler Tradition.

Christoph Schneider

Mit den Dokumentarfilmen des Schweizer Regisseurs Erich Langjahr, dieses bedächtigen Beobachters von lebendem oder nur noch überlebendem Bauerntum, ist es ganz eigentümlich. Sie sind voll von Zeichen, dass die Zeit nicht stehen bleibt; aber man tritt in ihnen aus der Zeit hinaus in so etwas wie eine archaische Selbstverständlichkeit. Dort erfährt man, dass es auch noch gibt, was eigentlich nicht mehr gebraucht wird. Es ist einfach noch da und fragt nicht, was die Zeit geschlagen hat. Man sieht es sich an der Moderne reiben und erkennt den Nutzen des Nutzlosen, und sei es nur in seiner handwerklichen Schönheit. Das ist immer das Besondere von Langjahrs Filmen: Ihre Sehnsucht ist ohne Nostalgie (denn die Nostalgie verhält sich zur Sehnsucht wie der Kitsch zur Realität; Sie blendet aus). Sie fordern nicht auf zum Sennentum noch zum Schafehüten oder Wildheuen. Aber sie erhalten den Heuern, Schäfern und Sennen ihre Wirklichkeit und überlassen sie nicht der Werbung für Appenzeller Käse

Bodenständige Freiheit

Schon in der Anstrengung, die eine widerspenstige Natur Langjahrs Protagonisten sichtbar abverlangt, lösen Klischees sich auf. Das war so im letzten Film "Hirtenreise ins dritte Jahrtausend" in dem der Hirt Thomas Landis mit seiner Schafherde langsam und unsentimental durchs Jahr ging. Das ist jetzt so in "Das Erbe der Berglern", einer Dokumentation für die Langjahr mit den Wildheuern im schwyzerischen Muotatal in die "Planggen" des Hinteren Heubrig stieg.

Und hier nun kommen eine Vergangenheit, die man geerbt hat, und die Gegenwart, in der man das Erbe auch hätte ausschlagen können, harmonisch zusammen. Eine Art realistische Poesie des Heuens entfaltet sich da in bodenständiger Freiheit. Nämlich: Was die Wildheuer vom Heubrig, die Bergler bleiben wollen, von den Vätern und Grossvätern, die es sein mussten, geerbt haben, ist nicht der ökonomische Zwang, stotzige Hänge abzumähen, sondern das existenzielle Bedürfnis.

Sie müssen nicht und müssen doch: sie heuen so, wie andere die alten Lieder singen (allerdings ist das Heuen viel anstrengender). Wären sie sentimental und weniger lakonisch veranlagt, würden sie vielleicht ins Philosophieren kommen darüber, was den Postangestellten Erich Gwerder oder den Schreiner Alois Langenegger immer im August auf diesen Berg zieht; über die Macht der Tradition; über die identitätsstiftende Kraft einer Familiengeschichte. Aber sie sind keine Schwätzer und betreiben einfach die Wildheuerei in ihrer wortkargen Unzeitgemässheit, man könnte sogar sagen: als ein rituelles Gesamtkunstwerk, das niemandem eine Erklärung oder eine Botschaft schuldig ist.

Das erfordert mehr als die Fähigkeit, im Steilen mit einer Sense umzugehen. Es beginnt - im Film und in der Wirklichkeit - wohl auch mit der Beobachtung der Ameisen, an denen der "Wetterschmöcker" Peter Suter die Wetterlage abliest, eine gute, wenn sie "schaffen" und eine ungünstige, wenn sie einfach so "herumcheiben". Es beinhaltet die Herstellung von Holzschuhen, auf die der Schmied Josef Schelbert dann Eisengriffe nagelt und in die man barfuss steigt und im Hang steht wie verankert.

Es ist Mähen und Tragen im Sommer und vollendet sich im Winter, wenn der Schreiner Langenegger einen neuen Schlitten baut und das Heu von der Seilstation Horgrasen ins Tal holt. Und es hat alles seine Zeit, seinen Ort, seinen Rhythmus und seine fabelhafte Präzision.

Nichts zu viel nichts zu wenig

Jahrelang, mit kongenialer Geduld hat Erich Langjahr (und mit ihm seine Frau und Mitarbeiterin Silvia Haselbeck) das beobachtet und sozusagen im selben Takt geatmet. Auch er schwätzt nicht. Die Sorgfalt ist seine Art der Bewunderung. Die Anstrengung des Filmens entsprach der Mühsal des Heuens: oft, sagt der Regisseur, sei es am Hinteren Heubrig steiler gewesen als die Kamera es zeigen könne. "Das Erbe der Bergler" ist von der Genauigkeit mit der Holzschuhe und Schlitten hergestellt werden. Nichts zu viel, nichts zu wenig, und nur die notwendigsten Erklärungen. Vor allem nichts was die Wildheuer nicht selber über sich sagen würden. Dieser Film ist wunderbar frei von ethnologischer Überheblichkeit.

Verdienst, wie gesagt, ist nicht mehr das Wesen der Wildheuerei. Sie hilft gegen die Bodenerosion, das ist ein nicht zu unter schätzender Nutzen und ein zureichender Grund sie zu pflegen. Aber wer sie betreibt im Muotatal, denkt daran wahrscheinlich nicht zuerst. Weil sie immer war, jetzt noch ist und noch einige Zeit sein wird, wenn die Söhne nach den Vätern kommen. Und weil sie mehr Legitimation nicht nötig hat.

Christoph Schneider, Tages-Anzeiger 14.10.2006

Der letzte Bergler in uns allen

Der Filmemacher Erich Langjahr schaut in "Das Erbe der Bergler" in die Welt der Wildheuer im Muotatal

Am 1 August ruft der Berg. Jeden Nationalfeiertag steigen Erich Gwerder und seine Kollegen aus dem Muotatal auf den Hinteren Heubrig zum Wildheuet. Auf dem Grasband über dem felsigen Abgrund lassen die Tellensöhne mit den Holzschuhen an den Füssen die Sensen schwingen. Die Wild heuer sind Teil einer langen Tradition Sie sind vielleicht die Letzten ihrer Art
Ein Sujet für die Ballenberg Schweiz? Nein. Ein Sujet für Erich Langjahr. Seit dreissig Jahren dreht der Innerschweizer Filme, seit gut zwanzig Jahren vor allem über bäuerliche Lebenswelten am Rande des Verschwindens. Wie in seiner Bauern-Trilogie ("Sennen Ballade", "Bauernkrieg". "Hirtenreise ins dritte Jahrtausend") geht es ihm auch in "Das Erbe der Bergler" um mehr als um filmische Traditionspflege. In seinen Werken legt Langjahr heimatliche Wurzeln frei und peilt tief liegende Identitätsschichten an den Bergler in uns allen.

Heutige Wildheuer fahren mit dem Motorrad zum Berg

Auf dem Plakat zum Film trägt ein Wildheuer nicht nur ein Fuder Heu sondern auch "seinen" Berg. Das Bild passt. Langjahr zeigt die Wildheuer als stille Heimathelden, auf deren Schultern eine ganze Welt ruht. Trotzdem glorifiziert er sie nicht, sondern zeigt auch die Brüche, die drohende Folklorisierung, weil die Arbeit ihre existenzsichernde Bedeutung verloren hat, und die Zeichen der Gegenwart. Der Wildheuer von heute fährt mit dem Motorrad zum Berg. Oder er nimmt den Helikopter.
Langjahr begleitet die Wildheuer auch im Winter, wenn sie die Ballen auf den Schlitten ins Tal fahren, er besucht den Schuhmacher, der die Holzsandalen herstellt, den Schmied, der diesen das Eisen aufbrennt. Mehrmals rückt er Kinder ins Bild. Sie sind ihm Hoffnung, dass die Tradition weiterlebt, und Vorbild. Mit seiner Kamera begibt er sich auf die Höhe ihres staunenden Blicks.

Der 62-jährige Langjahr ist ein filmischer Selbstversorger

In vielem gleicht Langjahr, der im luzernischen Root in einem Tätschhaus aus dem 17. Jahrhundert lebt "seinen" Wildheuern. Zusammen mit seiner Frau Silvia Haselbeck dreht schneidet und produziert er die Filme nicht nur, er verleiht sie auch selbst. Der 62-jährige ist ein filmischer Selbstversorger. Damit verkörpert er einen Filmemacher-Typus, der seinerseits vom Aussterben bedroht ist.

Vier Jahre hat sich Langjahr für "Das Erbe der Bergler" Zeit genommen. Jetzt ist kein Ton, kein Bild zu viel. Alles ist an seinem Platz, der Film hat seine Gestalt in seinem Material gefunden. In seiner schlichten, kommentarlosen Form gleicht er einer Ballade. Nun trägt Langjahr sein Werk ins Tal in die Kinos. Wie die Wildheuer ist auch er einer, der sich mit seinem Tun dem Lauf der Welt entgegenstemmt.

Thomas Allenbach, Sonntags-Zeitung 8.10.2006

Die wilde Arbeit der Wildheuer

Erich Langjahr reflektiert «Das Erbe der Bergler»

Vor den Vorspanntiteln zeigt uns Erich Langjahr einen Ameisenhaufen. Die sachkundige Beobachtung des Treibens dieser Tierchen erlaubt dem «Wetterschmöcker» die Prognose, ob der Tag regenfrei bleibt: eine unabdingbare Voraussetzung für die Wildheuer. Der Einstieg in «Das Erbe der Bergler» erfolgt so über die Abhängigkeit ihrer Tätigkeit von der Natur – dass sie umgekehrt auch auf diese zurückwirkt, wird später klar.

Bedachtsamkeit und Spannung

Langjahr wäre nicht der bedächtige, sich mit dem ländlichen Rhythmus und kargen Ton der Dargestellten treffende Filmemacher, als den man ihn aus Filmen wie «Sennen-Ballade» (1996) oder «Hirtenreise ins dritte Jahrtausend» (2002) kennt, ginge es danach gleich los mit der Wildheuerei. Zur weiteren Einstimmung macht er vielmehr den «Umweg» über die Vorarbeiten: Er zeigt die Herstellung der altbewährten Holzschuhe mit Eisenkrallen, die den Wildheuern im steilen und glitschigen Terrain erst Stand verleihen. Danach erst erfolgt, traditionsgemäss am 1. August, der Aufbruch aus dem Muotatal die steilen Berghänge hinauf zu den im Besitz der Alpkorporation befindlichen «Planggen», um dort mit den Sensen das Gras zu mähen. Es ist eine kleine Gruppe von Männern, die diese Anstrengung noch auf sich nehmen. Wo einst 40 bis 50 Wildheuer mindestens eine Woche verbracht haben, sehen wir noch knapp 10 Männer, von denen die meisten nur für drei Tage auf die Alp kommen. Was früher eine wirtschaftliche Notwendigkeit war, «lohnt» sich längst nicht mehr, ist vorwiegend Traditionspflege und umweltpflegende Landschaftsgärtnerei.

Als Resultat ihrer Arbeit sausen dann riesige, fast 100 Kilogramm schwere Heuballen an den übers Tal gespannten Drahtseilen eine erste Wegstrecke hinab. Sie werden zwischengelagert, bis der winterliche Schnee den Weitertransport auf Schlitten ermöglicht. Auch auf diesen nächsten Akt stimmt uns Langjahr mit einem Blick auf die Vorbereitung ein: Er zeigt uns nochmals den Schreiner, diesmal beim Bau eines breiten Hornschlittens, bevor der Film zum (relativ) spektakulärsten Teil der Arbeit kommt, dem geradezu halsbrecherischen Abtransport der Heuballen.

Andern Menschen bei der Arbeit zuzuschauen, bei Erich Langjahr wird es für die Dauer einer Kinovorstellung spannend. Gerade weil er weder dramatisiert noch belehrt. Sein selbst gesprochener Kommentar ist auf ein Minimum reduziert, eine Zurückhaltung, die man zu schätzen weiss, auch wenn sie dann und wann durch einen erklärenden, über die Schulter des vordergründig Angesprochenen hinweg ans Publikum gerichteten Dialogsatz erkauft wird. Doch solche Erläuterungen beschränken sich auf das Handwerklich- Faktische; alles Persönliche wird konsequent ausgeklammert. So bleibt den Zuschauenden die sich immer gebieterischer stellende Frage: Warum tun die das?

Ohne expliziten programmatischen Anspruch und vor allem ohne jede modische Prätention konfrontiert uns Erich Langjahr auf diese Weise mit dem längst nicht mehr selbstverständlichen Verhältnis der Menschen zur Natur. Diese Wildheuer stehen in einer Tradition, sie sind schon als Kinder von ihren Vätern auf die Alp mitgenommen worden, doch das Leben im Tal hat sich heute verändert. Am Schluss sehen wir, wie einer der Wildheuer mit seiner Familie auf Rollerblades und Velos aufbricht, die Strasse entlang, hinaus aus dem Tal. Für ihn, den Postangestellten, und für die meisten Jüngeren hat die Wildheuerei nichts mehr mit ihrer beruflichen Existenz zu tun. Wie das Fest zum Filmschluss mit seiner Ländlermusik und dem Besentanz ist sie ein Stück kulturelles Erbe, das sie noch als Teil ihrer Identität empfinden, das vielleicht aber auch schon im Begriff ist, sich zur Folklore zu entfremden.

Die Frage nach dem Verhältnis zur Natur

Hätte die Wildheuerei in «Das Erbe der Bergler» allein diese subjektive Bedeutung, wäre der Film ein wertvoller Beitrag zu den Dokumentationen aussterbenden Handwerks und Brauchtums. Doch Erich Langjahrs Kamera (er ist selbst mit der Filmkamera auf der Alp umhergeklettert) bringt uns die Landschaft und die Vegetation so nahe, dass wir mit der Frage nach unserem Verhältnis zur Natur konfrontiert werden. Intensiviert werden diese Bilder durch Silvia Haselbecks Ton und Dieter Lengachers subtile Mischung: Die Vogelstimmen und dazu die aus dem Tal zur Alp heraufdröhnenden Verkehrsgeräusche vergegenwärtigen auf der akustischen Ebene das Spannungsfeld, in dem die Figuren des Films und auch wir leben. (Kino Arthouse Movie in Zürich)

Martin Girod, Neue Zürcher Zeitung, 13. Oktober 2006

Diesen Artikel finden Sie auf NZZ Online unter: http://www.nzz.ch/2006/10/13/fi/articleEGIT4.html 
Copyright © Neue Zürcher Zeitung AG 

Menschen und Krisen in blauen Tönen

[…] Für die Schweiz sind schon 50 000 Zuschauer ein Erfolg – eine Zahl, die auch dem neuen Dokumentarfilm von Erich Langjahr, vielleicht dem schönsten Film von Locarno, zu wünschen ist: "Das Erbe der Bergler" begleitet Männer, die auf steilen Berghängen Heu machen, Landschafts- und Traditionspflege zugleich. Langjahr schuf eine filmische Hommage an jene Schwerstarbeit, die noch vor Jahrzehnten zum Alltag der Bergbauern gehörte. Heute ist das so genannte Wildheuen zum Hobby von Männern geworden, die fast alle in anderen Berufen arbeiten: "Das Erbe der Bergler" rettet die Vergangenheit vor dem Vergessen. […]

Ralf Schenk, Berliner Zeitung, 15.8. 2006

Véritable documentaire et vrai chef-d'œuvre Das Erbe der Bergler manifeste après plusieurs autres grands films, la maîtrise d'Erich Langjahr. Comme Jaqueline Veuve, il est de la vieille école, qui est encore la meilleure. Langjahr relate posément, patiemment la fenaison de raides prairies sauvage, la rentrée du foin, sa descente hivernale dans la vallée, et encore la construction des ustensiles nécessaires. La lumière naturelle est captée dans des images toujours justes et sans aucun pathos – celui-ci s'instaure spontanément dans le spectateur. Pas de nostalgie non plus; à la fin, les personnages s'échappent dans la modernité. Langjahr nous offre là une merveilleuse rhapsodie cinématographique, destinée au véritable écran.

Philippe Dériaz, Ciné-feuilles 30.8.06

Bedrohte Tradition

[…] In seinem neuen Film «Das Erbe der Bergler» zeigt Erich Langjahr ...  eine Schweizer Realität, die vom Aussterben bedroht ist. ...

Jedes Jahr am 1. August steigen im Muotatal die Wildheuer hinauf in die steilen Berghänge, um die Wildheu-Ernte einzubringen – so wie es seit vielen Generationen Tradition ist. Erich Langjahr zeigt mit seinem neuen Film diese gefährliche, früher existenzielle Arbeit, die ein Teil der Identität im Erbe der Talgemeinschaft bedeutet. Wie schon in seinen früheren Werken beobachtet der Innerschweizer genau und lässt sich die Zeit, die es dafür braucht. Und einmal mehr gelingt ihm damit ein ebenso stimmungsvolles wie fesselndes Porträt eines Handwerks und jener Menschen, die womöglich zu den Letzten gehören, die diese Tradition noch zu pflegen vermögen.

Ein schöner dramaturgischer Bogen gelingt Langjahr mit den Holzschuhen, deren Herstellung in der Schreinerwerkstatt am Beginn des Filmes steht. Die Holzsandalen mit Steigeisen geben den Wildheuern in den beinahe senkrecht abfallenden Hängen die nötige Bodenhaftung; ohne Beschläge tauchen sie am Ende wieder auf, beim Fest im Wirtshaus – bei einem Holzschuhtanz. Wenn dann im Schlussbild Wildheuer und Pöstler die Rollerblades an die Füsse schnallen, sagt Langjahr damit nicht nur in diesem Moment mehr, als er mit jedem Begleitkommentar erzählen könnte. ....

Andreas Stock, St.Galler Tagblatt, 11.8.2006

Wildheuer, Musiker und eine sterbende Stadt 

[…] Unverwechselbar in Form und Inhalt sind die Filme Erich Langjahrs. Seiner Trilogie über das Bauernleben an der Wende zum dritten Jahrtausend ("Bauernkrieg", "Sennenballade", "Hirtenreise ins dritte Jahrtausend") hat er nun einen vierten Film hinzugefügt. In "Das Erbe der Bergler" beobachtet und begleitet der Innerschweizer die letzten Wildheuer im Muotatal bei ihrer Arbeit. Den Kommentar reduziert Langjahr wie stets auf das Nötigste. Die Bilder sollen für sich sprechen – und vor allem ihr Rhythmus. Denn dieser lässt den Zuschauer den Film nicht nur sehen und hören – und Langjahrs Filme schulen immer auch die sinnliche Wahrnehmung –, sondern in diese langsam verschwindende Arbeits- und Lebenswelt eintauchen und in ihr versinken.

Rund 15 Minuten nimmt sich der ebenso geduldige wie genaue Beobachter Zeit die Herstellung eines Holzschuhs zu zeigen. Spürbar wird dadurch die Verbindung von Erzeuger und Produkt. Leben und Arbeit, Mensch und Natur sind eins in Langjahrs Filmen, die Heimatfilme im besten Sinne des Wortes sind - verankert in der heimatlichen Umwelt, aber frei von Klischees, Sentimentalität und Verklärung. Den Blick für moderne Errungenschaften verschließt dies aber keineswegs, denn ausgesägt und geschliffen wird der Holzschuh mit modernen Maschinen. Auch die wunderbare, sehr reduziert eingesetzte Musik von Hans Kennel erzählt von diesem Ineinanderfließen von Alt und Neu.

Mit Steigeisen werden die Holzschuhe schließlich beschlagen, denn nur so finden die Wildheuer an den teilweise fast senkrechten Bergwiesen Halt. Beinahe wortlos dokumentiert Langjahr Aufstieg, Aufteilung der Weiden, Schleifen der Sensen und Mähen. Der genaue Blick richtet sich ebenso sehr auf die Landschaft wie auf Handgriffe und Details. Fast zwangsläufig etwas kurzatmiger sind diese Szenen, da diese Arbeiten doch nicht so komplex sind wie beispielsweise die des Älplers, die in "Sennenballade" im Mittelpunkt standen. Mit dem Mähen ist es aber nicht getan, das Heu muss auch noch ins Tal gebracht werden, wird auf Alpen zwischengelagert und im Winter mit Schlitten abtransportiert. So zeichnet "Das Erbe der Bergler" einen zeitlichen Kreislauf nach, der sich gleichzeitig motivisch beim Tanz mit – nun von Steigeisen befreiten – Holzschuhen in der Dorfkneipe schließt. Nochmals trifft dann auch in einer Schlußpointe Altes auf Neues, wenn der Heuer und seine Familie statt der Holzschuhe Rollerblades anschnallen und durchs Muotatal gleiten. […]

Walter Gasperi, www.kultur-online.net 3.8.2006

Zwei Docfilm-Highlights aus der Schweiz

Die Rede ist einerseits von Peter Liechtis spannendem Musikfilm "Hardcore Chambermusic" ... und andererseits vom poetischen Film "Das Erbe der Bergler", in dem sich Erich Langjahr der schwierigen, immer seltener werdenden Arbeit der Muotathaler "Wildheuer" in den steilen Hochgebirgshängen des Muotatals widmet. 

Wie Peter Liechti geht es auch Erich Langjahr darum, geduldig und fern aller verfremdenden Romantizismen Realität nicht nur so echt wie möglich abzubilden sondern auch erfahrbar und damit verständlich zu machen. In ruhigen Kamerafahrten, langen Schnitten und zur umfassenderen Orientierung immer wieder mit eingebauten Totalen geht er fast meditativ an sein Thema heran. Und weil er möglichst alles selbst macht, also keine Rücksicht auf die Einsatzmöglichkeiten einer Filmequipe zu nehmen braucht, kann er stets sehr flexibel auf wechselnde Aufnahmebedingungen, Blickwinkel und herausfordernde Umstände reagieren. Um die Poesie der Bildsprache nicht zu stören, verzichtet er auf verbale Infos und lässt die Aufnahmen für sich sprechen. 

Und auch die wunderbar mit den Bildern harmonierenden Musiken von Hans Kennel – von den TCB-CDs "Rosa Loui" mit Hans Kennels "Alpine Experience", sowie "Mytha Horns Three - An Alphorn Polyphony and Songbook" – setzt er äusserst sparsam und deshalb umso wirkungsvoller ein. Die im Rahmen der "Semaine de la critique" im Kursaal angesetzte Projektion dieses 97 Minuten langen Epos stiess auf soviel Interesse, dass das Kino die Zuschauer kaum fassen konnte.

Johannes Anders, www.andersmusic.ch 

Die kräftigen Männer sind dem Heu treu

Erich Langjahr hat die Muotataler Wildheuer auf den Berg begleitet. »Das Erbe der Bergler« gibt Einblick in eine nahe und doch fremde Kultur.

Immer am 1. August steigen die Schwyzer Wildheuer auf den »Hinteren Heubrig«, um in den »Planggen« (steilen Wiesen) mit Sensen das Gras zu mähen. Es ist ein archaisches Ritual vom Schnitzen der Holzschuhe über das gefährliche Sicheln am Berg bis zum abendlichen Folkloretanz in der Beiz. Dabei reden die Männer nur wenig.

Regisseur Erich Langjahr (62) ist der Clint Eastwood des Schweizer Dokfilms: Er fokussiert auf bodenständige katholische Kerle, schlägt einen behutsamen Rhythmus an und vertraut mit der Souveränität eines Meisters der (Aussage-) Kraft seiner Bilder. Als Zuschauer wundert man sich, wie viel Aufwand die Männer für das Heu betreiben, und fiebert in ihrem Rhythmus mit.

Der Wildheuerfilm ist weniger poetisch und feminin als sein Vorgänger »Hirtenreise ins dritte Jahrtausend«. Aber er ist stark und beeindruckend – wie der Berg und die Männer, die ihn erklimmen!

Christian Jungen, Blick, 11. August 2006

Das grosse Schweigen im Muotatal

Die Liturgie der Heuernte in "Das Erbe der Bergler"

Ein Film der Gesten, fast ohne Worte, gewissermassen das Grosse Schweigen im Muotatal, wo ein paar Wildheuer die Rolle von Philip Grönings Mönchen spielen. Wenn man diesen Bauern aus dem Kanton Schwyz zuschaut, die unglaubliche Strapazen auf sich nehmen, um die Heuernte einzubringen, glaubt man wirklich, einem archaischen Ritual beizuwohnen, das einer präzisen Liturgie folgt. Reich werden sie ganz bestimmt nicht von dieser Arbeit, aber ein klein wenig trägt sie dazu bei, ihren Lebensunterhalt zu erleichtern. Dies alles dokumentiert "Das Erbe der Bergler / Alpine Saga" von Erich Langjahr.

Der Film zeigt die Heuernte von den Vorbereitungen bis zum Transport des Heus ins Tal. Es ist ein Zyklus, der in diesem Fall tatsächlich am 1. August beginnt und im Winter damit endet, dass das im Sommer eingelagerte Heu auf extra zu diesem Zweck gebauten Schlitten zum Wägen ins Tal hinunter gebracht wird. Alles wird gemacht, wie die Tradition es will, sei es die peinlich genaue Zurüstung der benötigten Geräte, sei es die Herstellung der speziellen Holzschuhe, an denen mit Lederriemen Steigeisen befestigt werden, sei es der Transport der bis zu hundert Kilo schweren Heuballen auf den Schultern. Langjahr beobachtet jede Geste, jede Tätigkeit "seiner" Bauern, hinauf auf nur schwer begehbaren Pfaden bis zu den Bergwiesen und zeichnet ein weiteres Porträt von Figuren, die am Aussterben sind, ein Lieblingsthema Erich Langjahrs, dem er sich bereits in früheren Arbeiten wie der "Hirtenreise ins dritte Jahrtausend" gewidmet hat. 

Der Betrachter im bequemen Kinosessel empfindet so etwas wie Frieden, wenn er den Wildheuern bei ihrer anstrengenden Arbeit zuschaut. Langjahr gelingt es, während der gut anderthalbstündigen Dauer seines Films keine Langeweile aufkommen zu lassen. Sein gelungener Dokumentarfilm schmeckt "old fashioned", jede Bewegung mit der Sense, jeder Schritt der der Wildheuer verwandelt sich in einen Tanz des Menschen mit der Natur, die ihn umgibt, ein Tanz, der uns dank seiner Poesie zu faszinieren vermag. 

Fabrizio Coli, Corriere del Ticino, 9. August 2006 [Übersetzung]

Wildheuer als Filmhelden

Erich Langjahr dokumentiert eine aussterbende Welt

Seit zwanzig Jahren schafft der Zuger Erich Langjahr etwas vom Kostbarsten, was es gibt, er dokumentiert aussterbende Welten, allerdings geht es hier nicht um vergessene Planeten oder Kontinente, sondern um typische Schweizer Mikrogesellschaften, die Zuschauer wissen es seit seiner Bauerntrilogie, die auch in der Westschweiz zu sehen war und vor kurzem nach der "Sennen-Ballade" und dem "Bauernkrieg" mit der "Hirtenreise ins dritte Jahrtausend" beendet worden ist. Diese lange, über zehn Jahre dauernde Arbeit, die dank eines komplett unabhängigen Netzwerks sogar ohne Hilfe eines Verleihers auskommt, ist ihm offensichtlich nicht verleidet, denn im Rahmen der "Kritikerwoche" von Locarno stellte er am Mittwoch eine weiteres Ergebnis seiner Beschäftigung mit der Welt der Bauern und ihrem traditionellen Handwerk vor.

"Mich interessiert das überlieferte Wissen des einfachen Lebens, die Grundlage der menschlichen Existenz," sagt er, im Film ‹Das Erbe der Bergler / Alpine Saga› erzähle ich die älteste Geschichte des Wildheuens auf Schweizer Alpen." Alt, aber nicht ausgestorben: Während vier Jahren und im Alter von etwas mehr als sechzig Jahren hat Erich Langjahr die Welt der Wildheuer beobachtet, gefilmt und sich so sehr mit ihr assimiliert, bis die Anwesenheit der Filmkamera nicht mehr spürbar war. Einige der steilen Wildheuer-Wiesen im Muotatal im Kanton Schwyz hängen buchstäblich am Berg, auf Terrassen hoch über imposanten Felswänden.

Jedes Jahr am ersten August steigen die Wildheuer hinauf in die steilen Planggen des "Hinteren Heubrig", ausgerüstet mit Sensen, Heugaren und Griff-Holzschuhen, um die Wildheu-Ernte einzubringen, so wie das schon ihre Väter gemacht haben. Sie sind die Söhne einer Generation, die in der Herausforderung und im Einvernehmen mit der Natur lebten und überlebten. Eine Generation übrigens, die es verstand, aufgrund des Verhaltens der Ameisen das Wetter vorauszusagen: Wenn die Ameisen arbeiten, gibt es schönes Wetter, verhalten sie sich abwartend, gibt es Regen.

Erich Langjahr versteht es aufs beste, sich ganz zurückzunehmen, um Männer und Familien in Extremsituationen und an ebenso extremen Orten zu zeigen, die sich aus freien Stücken der Härte und den Entbehrungen des Alltags unterziehen. Er filmt sie so nüchtern und ohne jegliche Bewertung, dass Lachen und Ergriffenheit direkt vom gelebten Leben, von der Realität hervorgerufen werden. Man muss sie gesehen haben, diese schweigsamen Helden, wie sie sich geduldig, tüchtig und mit viel Fleiss ihrer Aufgabe widmen: die völlig selbstlose Bewahrung der Landschaft. Man muss gesehen haben, wie sie die Bergwiesen mähen, wie sie sich das Heu in bis zu hundert Kilo schweren Ballen auf die Schultern laden und es in den Schober tragen, von wo sie es im Winter auf handgefertigten Schlitten ins Tal transportieren. Man könnte dies alles nutzlos finden, aber so ist es nicht: Die bescheidenen Herkulesse festigen die alpine Humusschicht, verhindern Bodenerosion und Felsstürze. Dieser aussergewöhnliche Wildheuerfilm passt sich ganz dem Rhythmus der Mäher an und steht damit ein Dokument ganz und gar ausserhalb zeitgemässer Filmströmungen. 

Thierry Jobin, Locarno; Le Temps, 9. August 2006 [Übersetzung]


Revue de presse de langue française

Faucheurs de foin, héros d'un film

Erich Langjahr capte un monde en voie de disparition

Depuis une vingtaine d'années, le Zougois Erich Langjahr construit l'une des plus précieuses qui soient: celle qui consiste à capter des mondes en voie de disparition. Et, en fait de mondés, il ne s'agit pas avec lui de planètes ou de continents oubliés, mais de microsociétés suisses typiques: les spectateurs le savent depuis la trilogie, montrée en Suisse romande, qui s'est achevée il y a peu avec Transhumance vers le troisième millénaire, trilogie inaugurée par Ballade sur l'alpage et Guerre des paysans. Ce long travail, une, décennie entière, ne l'a pas écœuré puisque, Erich Langjahr, qui produit, réalise, filme et il sort même ses films sans l'aide de distributeurs grâce à un système d'indépendance complète, présentait mercredi dans le cadre de la Semaine de la critique de Locarno une, nouvelle plongée dans le monde de la paysannerie et de l'artisanat à l'ancienne.

"Ce qui m'intéresse, dit-il, ce sont les leçons héritées de l'expérience des gens simples, des sources mêmes de l'existence humaine... Dans Das Erbe der Bergler - Alpine Saga ,je raconte la plus vieille histoire de fenaison montagnarde de la prairie suisse." Vieille, mais qui survit encore: pendant quatre années et à un peu plus de 60 ans aujourd'hui, le cinéaste a suivi, filmé et intégré jusqu'à ne plus faire sentir la présence de sa caméra l'univers des Wildheuer, faucheurs de foin sauvage du Muotatal, cette vallée alpine du canton de Schwyz où certains champs pentus sont littéralement suspendus, sur la montagne, en terrasses et au-dessus d'impressionnantes falaises.

Chaque 1er août, les Wildheuer gravissent les pentes raides de l'Hinteren Heubrig. Ils sont équipés de faux, de filets à foin et de sabots de bois à crampons. Leur mission: récolter le foin sauvage comme le faisaient leurs pères et leurs grands-pères avant eux. "Ils sont les fils, raconte Erich Langjahr, d'une génération qui vivait dans le défi permanent de la nature, et pourtant en accord avec elle." Une génération qui savait, par exemple, estimer les caprices de la météo en observant le comportement des fourmilières: si les fourmis travaillent il fera beau; si elles temporisent, il fera mauvais.

En se faisant oublier avec génie dans ces lieux et ces situations extrêmes, Erich Langjahr montre des hommes, des familles qui se soumettent volontairement aux duretés et aux privations du quotidien. Il les filme si sobrement sans jugement, que le rire ou l'émotion naissent simplement du vécu, de la réalité. Car il faut les voir, ses héros silencieux, patients, efficaces, affairés sans cesse à leur vocation: une conservation du paysage totalement désintéressée. Il faut les voir faucher ces prairies montagnardes, attacher le foin, entreposer des bottes de 100 kilos, puis les descendre dans la vallée, en hiver, sur des luges fabriquées à la main. Tout cela pourrait, paraître vain, mais non: ces Hercules modestes stabilisent la terre des montagnes, empêchent l'érosion, préviennent l'écroulement des roches. Bref, ce film extraordinaire sur les faucheurs de foin sauvage, qui suit le rythme des faucheurs, fixe un document à contre-courant de tout ce que le cinéma propose aujourd'hui. 

Thierry Jobin, Locarno; Le Temps du 9 août 2006

Véritable documentaire et vrai chef-d'œuvre Das Erbe der Bergler manifeste après plusieurs autres grands films, la maîtrise d'Erich Langjahr. Comme Jaqueline Veuve, il est de la vieille école, qui est encore la meilleure. Langjahr relate posément, patiemment la fenaison de raides prairies sauvage, la rentrée du foin, sa descente hivernale dans la vallée, et encore la construction des ustensiles nécessaires. La lumière naturelle est captée dans des images toujours justes et sans aucun pathos – celui-ci s'instaure spontanément dans le spectateur. Pas de nostalgie non plus; à la fin, les personnages s'échappent dans la modernité. Langjahr nous offre là une merveilleuse rhapsodie cinématographique, destinée au véritable écran.

Philippe Dériaz, Ciné-feuilles 30.8.06

Une chorégraphie d'objets

"Das Erbe der Bergler" ("Alpine Saga") d'Erich Langjahr

Documentariste suisse, Erich Langjahr, qui a signé depuis une quarantaine d'années des courts métrages et sept longs, est un cinéaste que le public (surtout le romand) connaît mal. Cette situation paraît fort fâcheuse, car son travail d'une totale indépendance dépasse de beaucoup les clichés faciles nés du genre particulier où l'on tente de l'enfermer. Certes, il parle de l'existence des paysans de montagne, des transhumances de leurs troupeaux, de leurs durs labeurs sur les champs en pente... Mais son regard sur ces réalités typiques de l'Helvétie et sa manière de l'exprimer, sans illusoire invention formelle, exigent une attention qui dépasse les habituelles sollicitudes attribuées, avec un certain mépris quelquefois aux reportages développés sur de tels sujets.

Présentés dans le programme de la Semaine de la critique au Festival de Locamo d'août dernier, ces "Faucheurs de foin sauvage" offrent à l'écran de surprenants et volontaires décalages par rapport au motif traité: l'intérêt de base, disons d'ethnologie locale et de coutumes étranges, se déploie jusqu à gagner diverses formes de fictions estompées.

Un homme ôte sa chaussure, pose le pied sur un morceau de carton; le voisin qui l'accueille dans son atelier dessine cette empreinte, et la caméra détaillera la délicate confection d'une paire de sabots qu'elle retrouvera sur les terrains de haute altitude, sur les degrés d'une échelle, en plein paysage de neige et, pour finir, aux pieds du danseur d'un bal villageois (avant sa transformation en patins à roulettes du mot "Fin"). L'auteur du film décrit, avec minutie et complexes sonorités, l'utilisation des outils des machines, la collaboration des forgerons afin de livrer les étapes de cette confection artisanale. Ce long début, précis dans l'art de manipuler les couteaux, une fraiseuse, de planter les clous, de saisir l'habileté des mouvements du marteau, de lier le génie quotidien de plusieurs métiers réapparaîtra plus tard par la fine description du nouage d'une corde ou l'habileté de rendre coupante une faux, de sculpter le bois d'un instrument du câble d'un élémentaire téléphérique, utile au transport des colis à travers une abrupte faille.

Un dessein bizarre  
Cette précision maniaque dicte le sens d'un récit qui, d'abord, concerne moins les personnages de ce lieu que la multitude chorégraphique des objets captés. Pourtant, lorsque le spectateur se questionne à propos de ce bizarre dessein, des changements de cap surviennent: le chapitre d'ouverture, à première vue documentaire passéiste, démarre avec brutalité sur une motocyclette, puis sur un hélicoptère conduisant un vieillard vers une équipe réunie à la cabane d'un sommet d'où l'on devine, en bas, invisibles presque, les maisons du hameau: le 1er août, ces cultivateurs du Muotatal, vallée du canton de Schwytz, se livrent à la fête d'un hommage aux traditions de leurs parents du siècle dernier. Ils boivent un verre de schnaps, se répartissent la tâche, préparent le terrain sans oublier les problèmes d'écologie que posera l'hiver prochain, répètent les gestes difficiles de couper les plantes à flanc d'abîme, jettent les ballots d'herbes et de fleurs vers le fond du vallon, aides fourragères au bétail, respect de la nature ainsi que fidélité vivante à la mémoire ancestrale. 

Freddy Buache,  Le Matin Dimanche 20.05.2007


Rivista di stampa in italiano

Estratti / Slogans (italiano)

Nel nostro intimo, siamo rimasti dei falciatori di fieno selvatico, ma non ci siamo mai resi conto di ciò che fanno quando sono all'alpeggio.

FILMBULLETIN, Pierre Lachat 

Meticoloso, attento, paziente ed affettuoso, Langjahr mostra come gli uomini sostengano attivamente la natura - senza preoccuparsi di rendita, senza scopi commerciali. E' l'opera di un artigiano sovrano, che si prende la cinepresa a spalla; per ottenere le immagini del suo film, non indietreggia ne davanti ad ostacoli, ne davanti a difficoltà. Il suo film sui falciatori di fieno selvatico segue il ritmo dei falciatori, si lascia tempo e ci dà un documento a controcorrente dell'epoca attuale. 

Rolf Breiner, Festival int. del film Locarno, Semaine de la critique 

Nel suo film, Erich Langjahr manifesta ancora una volta con immagini forti e spettacolari il suo fascino per un mondo rurale svizzero che sta sparendo. 

Francesco Welti, Tessiner Zeitung

Il grande silenzio del Muotatal. La liturgia della fienagione. Ogni movimento delle falci, ogni passo dei protagonisti, si trasforma in una danza dell'uomo con la natura che lo circonda, una danza che affascina per la sua poesia. 

Fabrizio Coli, CORRIERE DEL TICINO

Lavoro e meditazione in montagna, per la quieta ricerca della verità. 

Daniela Persico, GIORNALE del POPOLO

Alpine Saga salva il passato dall'oblio; è forse il più bel film del festival di Locarno.

Berliner Zeitung, Ralf Schenk

Questo film sui fieni selvatici impressiona - come la montagna, come gli uomini che vi si inerpicano.

Blick, Christian Jungen

Il saggio di Erich Langjahr proiettato alla Settimana della critica, Alpine Saga, è stato uno dei più bei film del Festival di Locarno. Con la calma che lo caratterizza, Langjahr descrive una tradizione rimasta viva nel Muotatal. Immagini bellissime e attenzione calorosa per gli uomini fanno di questo film un vero e proprio avvenimento.

DIE SÜDOSTSCHWEIZ, Peter Claus

Li si deve vedere, questi eroi silenziosi, pazienti, efficaci, assorti dalla loro vocazione: una protezione assolutamente disinteressata del paesaggio. Li si deve vedere falciare i prati di montagna, raccogliere il fieno, depositare fastelli di paglia di 100 chili, poi farli scendere a valle durante l'inverno, su slitte fatte a mano. Tutto ciò potrebbe parer vano, ma invece no: questi modesti Ercoli stabilizzano la terra delle montagne, impediscono l'erosione, ostacolano il crollo delle rocce. Insomma, questo film straordinario sui falciatori di fieno selvatico che segue il ritmo dei falciatori è un documento a controcorrente di quanto il cinema ci propone attualmente.

LE TEMPS, Thierry Jobin

I viaggi nel tempo di Erich Langjahr corrispondono ad un bisogno: in realtà, piuttosto che viaggi nel tempo, sono viaggi fuori dal tempo, sono tempo vissuto. Siamo di nuovo confrontati ad uno dei gioielli di Langjahr, fatti di tradizioni, di spazio, di tempo e di suoni. 

NZZ am Sonntag, Martin Walder

Tutto sommato, si tratta di gesti, di capacità di sentire, di prendere, di capire.

Fred Zaugg, Der Bund

Tutto ha la sua calma, il suo ritmo, il suo posto, la sua precisione. 

Christoph Schneider, Tages-Anzeiger

… un documento con immagini forti, composto con cura.

Hans-Jörg Rother

Erich Langjahr ci ha messo quattro anni, a fare questo film, e lo si sente nella bellezza sfrenata, nella leggerezza e nel ritmo dell'opera.

VIENNALE, VIENNA INT. FILM FESTIVAL 

Appassionante quanto un giallo, avvincente quanto un dramma.

Irene Genhart,  arthouse movie news

Falciatori di oggi sul filo della tradizione

Nel documentario di Erich Langjahr girato sui monti del Muotatal svittese

Erich Langjahr è ormai un caso quasi unico in Svizzera una sorta di artigiano del cinema documentario che gira ancora tutti i suoi film in 35mm e si occupa – oltre che della regia – anche di fotografia e montaggio. Un regista che, da una ventina d'anni a questa parte, ha con centrato la propria attenzione sul le tradizioni, i riti e (soprattutto) i problemi di una Svizzera rurale che ha subìto profondi mutamenti ma ha anche saputo (non senza fatica) conservare parte di quel fascino arcano che la rende ancora oggi, per certi versi, unica. Basti pensare al la sua trilogia, iniziata con Ballata alpestre del 1996 e conclusasi con il pluripremiato Transumanza verso il terzo millennio 2002. 

Eppure, nei film di Langjahr non c'è spazio nemmeno per un briciolo di nostalgia o di folklore a buon mercato: tutti i gesti che il regista filma con partecipazione ma senza invadenza assumono un significato preciso e sono inseriti in un contesto chiaro. Il risultato si man tiene però ben distante da qualunque intento didattico o etnografico, poiché ad interessare in primo luogo Langjahr è la vita dei suoi protagonisti e la sua principale preoccupazione è il riuscire a tradurre le loro emozioni e il loro impegno in immagini all'altezza della situazione.

Questo raffinato ed equilibratissimo linguaggio cinematografico (all'interno del quale il suono occupa un posto di rilievo) trova in Alpine Saga un'articolazione drammaturgica quasi perfetta. Al di là dell'iniziale aneddoto sulle "virtù meteorologiche" delle formiche e di alcuni brevi brani di commento nei quali lo stesso regista riassume i dati essenziali raccolti dalla viva voce degli ultimi falciatori di fieno selvatico del Muotatal nel canton Svitto, il film fa in pratica a meno delle parole essendo composto da una serie di sequenze che permettono allo spettatore di assistere alle varie fasi di questo rituale che, da tempo immemorabile, inizia puntuale il 1.agosto di ogni anno. Dall'accurata preparazione degli zoccoli con i ramponi che permetto no ai falciatori di mantenere l'equilibrio su questi prati di montagna praticamente verticali fino al tra sporto invernale del fieno con grandi slitte tirate (e frenate) a mano, il regista documenta questa "saga" ma non in maniera neutra. Al contrario, nulla è casuale in Alpine Saga: né la scelta delle musiche "tradizionalcontemporanee" di Hans Kennel, né la colonna sonora che si guarda bene dal mascherare il rumore del traffico autostradale che scorre senza interruzione qualche centinaia di metri più in basso dei falciatori, né la presenza regolare di bambini che stanno a rappresentare la continuità generazionale, né l'uso da parte dei protagonisti di tuniche bianche con cappuccio di vaga reminescenza medievale. Né tanto meno il finale che ci mostra come la tradizione della falciatura del fieno selvatico sia soltanto uno degli hobby in voga tra gli ex contadini del Muotatal che oggi hanno tutti un altro lavoro ma continuano imperterriti a seguire le tracce dei propri avi.

Antonio Marlotti Corriere del Ticino 21.09.2007 

Dall'attività che regna nel formicaio è possibile il tempo che farà. Cosi come per fabbricare a modo un paio di zoccole occorre accarezzarne a lungo il legno. Nel terzo episodio di un trittico dedicato ad un universo rurale in via di scomparsa, come nel precedente Transumanza verso il terzo millenio, itinerario sull'arco delle quattro stagioni degli ultimi pastori svizzeri, Langjahr riprende il senso magico del gesto quotidiano, il coraggio ormai cosi raro dei respiri lunghi. Semplicità infinitamente felice, quella di questo cineasta svizzero autentico ed originale quanto sconosciuto ai più. Che conduce ad uno sguardo privo di effetti, sempre in attesa che gli avvenimenti vengano ad esso. Qui, ritrova le sue atmosfere intime e particolari, i ritmi che abbiamo perso per sempre al seguito degli ultimi montanari: quelli che, dopo aver sorteggiato le particelle più impervie e disagevoli sotto le cime compiranno il gesto antico della fienagione.
Girato in uno splendido 35 millimetri l'affresco è di quelli che bisogna meritarsi: ma nei tempi eterni del suo cinema Langjahr riesce a trattenerci. ...

Filmselezione RTSI, 16 settembre 2007

Settimana della critica: Ottimi l'«Alpine Saga» e «L'ospite della vita»

Lavoro e meditazione in montagna, per la quieta ricerca della verità 

Nella rassegna sette opere diverse, non convenzionali, particolarmente curate dal punto di vista formale o contenutistico. Documentari che cercano "la verità".

Una delle sorprese della Settimana della Critica di quest'anno viene da «Das Erbe der Bergler – Alpine Saga», documentario girato nel Muotatal dello svizzero Erich Langjahr. Si narrano le vicende di alcuni contadini che il primo di agosto svolgono il rituale del taglio del fieno. Se a l'inizio si svela la dinamica dell'intervistatore e del l'intervistato, tipica del cinema documentario, in seguito la presenza del regista si disperde lasciando spazio alla natura. Si falcia il fieno, lo si imballa, si insegue un cane nei campi mentre l'estate è al suo massimo picco e le bandiere svizzere sventolano. Estate e inverno vengono scelti come due estremi momenti per raccontare il lavoro contadino di cui resta impressa la voglia di conservare certe tradizioni. La costruzione degli zoccoli e della slitta rivelano il rigore di una macchina da presa attenta e mai invasiva. […]

D.P./.R.M. Giornale del Popolo12 agosto 2006

Il Grande Silenzio del Muotatal

La liturgia della fienagione in "Das Erbe der Bergler"

Fabrizio Coli, Corriere del Ticino, 9 agosto 2006

Un film di gesti dove le parole sono quasi del tutto assenti, una specie di Grande Silenzio nel Muotatal dove al posto dei monaci ritratti da Philip Gröning c'è un gruppo di falciatori di fieno selvatico. E sembra proprio di assistere a un rituale arcaico, scandito da una sua ben precisa liturgia, vedendo questi contadini del Canton Svitto sottoporsi a una immane fatica per portare a termine la fienagione. Un'attività questa che non li arricchirà di certo ma che al massimo provvederà a rendere un poco più facile il loro sostentamento. A documentare tutto ciò è Das Erbe der Bergler (Alpine Saga) incluso nel programma della Settimana della critica al Festival del Film di Locarno, seguito della trilogia contadina firmata dal regista elvetico Erich Langjahr.

Il film segue la fienagione dai preparativi fino al trasporto a valle del fieno raccolto. Un ciclo che in questo caso ha inizio proprio il L di agosto e che si conclude in inverno, quando a bordo di, slitte costruite appositamente, il fieno immagazzinato durante l'estate viene portato alla pesatura. Tutto avviene secondo tradizione, a cominciare dalla meticolosa preparazione degli strumenti usati, da gli speciali zoccoli muniti di ramponi alle reti di corda intrecciata per raccogliere il fieno in balle che pesano anche cento chili. Langjahr segue ogni gesto, ogni attività del gruppo dei "suoi" contadini, su per gli impervi sentieri fino ai prati di montagna e puoi nuovamente un ritratto di figure che vanno scomparendo, un tema caro a Langjahr che già lo aveva affrontato in precedenti lavori come Hirtenreise ins dritte Jahrtausend. A vederlo da fuori, come spettatori comodamente seduti in poltrona, dal durissimo lavoro di questi falciatori di fieno selvatico traspare un senso di pace. Langjahr riesce a non annoiare nell'arco dell'ora e quaranta della sua opera, un riuscito documentario dal sapore "old fashioned" dove ogni movimento delle falci, ogni passo dei suoi protagonisti, si trasforma in una danza dell'uomo con la natura che lo circonda, una danza che affascina per la sua poesia.

Dopo l'applaudita prima di ieri svoltasi in un cinema Kursaal esaurito in ogni ordine di posti, si replica quest'oggi alle ore 18.30.

 


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