Morgarten findet statt

Schweiz 1978. DCP 4:3; 35 mm; 16 mm, Farbe, 96 min.

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Aus Anlass zum Jubiläum 700 Jahre Morgarten (2015) wurde der Film "Morgarten findet statt" aus dem Jahre 1978 digital restauriert. Möglich wurde diese Neuauflage mit Hilfe von Memoriav (Verein zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturgutes des Schweiz), der Kantone Luzern, Schwyz und Zug sowie weitere Donatoren.

Ein Film über eine Innerschweizer Festwelt. Im Film erlebt der Zuschauer, wie Morgarten – ein Symbol der Freiheit – heute gefeiert und verstanden wird.

Morgarten findet statt ist ein Zeitdokument, bei dem die Selbstdarstellung eines Stücks Innerschweizer Realität im Zentrum steht. Dieser Kinofilm informiert über einen patriotischen Gedenktag, schildert seinen Ablauf, leuchtet in seine Strukturen hinein und stellt vielfältige Bezüge zur Vergangenheit und zur Gegenwart her.

RegieErich Langjahr und Beni Müller
KameraJohann Gfeller, Erich Langjahr, Werner Meier, Otmar Schmid
TonRoger Bonnot, Hanspeter Fischer, Justice Olsson, André Pinkus, Reiner Stahel
SchnittErich Langjahr, Beni Müller
MitarbeitRecherchen: Hartwig Thomas
Stagiaires: Mireille Eigner, Su Meili
Mischung: Georges Juon
Dauer96 min.
FormatDCP 4:3; 35 mm; 16 mm
Drehformat16mm 4:3
VerleihversionenDCP 4:3, Schweizerdeutsch, Untertitelversion deutsch und französisch
35mm, 96 Min., Farbe, Lichtton Dolby SR, 1:1.37 - 1:1.66, Schweizerdeutsch
35mm, 96 Min., Farbe, Lichtton Dolby SR, 1:1.37 - 1:1.66, Schweizerdeutsch, untertitelt deutsch/französisch
Verkauf DVD/VideoDVD, VHS   [Bestellen]
FestivalsSolothurn, Nyon, Lille (FR), Cannes (FR), Paris (FR) Cinéma du réel und L'homme regarde l'homme, Mannheim (DE) und Leipzig (DDR), Hamburg (DE), Wels (A), Linz (A)
KinosProgrammkino in Zürich, Schwyz, Zug, Luzern und Baden; Parallelverleih (CH); 
Deutschland: Hamburg, Dortmund.
TV-AusstrahlungenDRS, TV Suisse Romande, 3sat
ProduktionLangjahr-Film GmbH, Luegstrasse 13, CH-6037 Root
Tel. +41-41-450 22 52 – Fax +41-41-450 22 51
E-mail: info@langjahr-film.chMitteilung sendenwww.langjahr-film.ch
WeltrechteLangjahr-Film GmbH
Verleih Schweiz
und international
Langjahr-Film GmbH, Luegstrasse 13, CH-6037 Root
Tel. +41-41-450 22 52 – Fax +41-41-450 22 51
E-mail: info@langjahr-film.chMitteilung sendenwww.langjahr-film.ch
ISAN0000-0000-D7DD-0000-X-0000-0000-C
Suisa-Nr.0080.868

Pressestimmen

Ein volkskundlicher Film über eine Innerschweizer Schlachtfeier – wen interessiert das schon? Man denkt an Folklore im Heimatstil oder an die alljährlich wiederkehrenden, nichtssagenden Fernsehreportagen über die Basler Fasnacht oder das Zürcher Sechseläuten. Die Morgarten-Schlachtfeier unterscheidet sich doch kaum von anderen derartigen Anlässen in Sempach oder Näfels: Umzüge, Gedenkfeiern, Festreden, Schiessen, Essen, Trinken und Sprücheklopfen in den Beizen. Was soll's? In der Innerschweiz, dieser filmisch noch fast "unberührten" Provinz, gäbe es doch aktuellere, brennendere Filmthemen aus dem sozialen, wirtschaftlichen, politischen und selbst kulturellen Bereich.,
Mit solchen Erwartungen und Vorurteilen wird man Erich Langjahrs und Beni Müllers "Morgarten findet statt" nicht gerecht – oder anders herum: Man kann sich durch ihren Film eines besseren belehren lassen. Denn die beiden Filmemacher haben nicht bloss eine aus bunten Impressionen zusammengewürfelte Reportage über die Morgarten-Schlachtfeier hergestellt, sondern sie haben in minutiöser Aufnahme- und Montagearbeit gleichsam eine Anatomie dieses Anlasses aufgezeichnet, durch die seine vielschichtigen Geschehnisse und Motive klar zu Tage treten. Der Film informiert sozusagen total über einen patriotischen Gedenktag, schildert seinen Ablauf, leuchtet in seine Strukturen hinein und stellt vielfältige Bezüge zur Vergangenheit und zur Innerschweizer Gegenwart her. Den beiden Autoren ist dabei das Kunststück gelungen, einen Bericht herzustellen, in dem sich die Beteiligten unverfälscht wiedererkennen können (es wird keine Proteste der Bevölkerung geben wie beim Fernsehbericht über das Lenzburger-Fest) und der trotzdem allerhand Ansatzpunkte für eine kritische Auseinandersetzung mit der dargestellten Thematik aufweist.

ZOOM, Franz Ulrich

Es ist in diesem Sinne Erich Langjahr und Beni Müller das Kunststück einer Gratwanderung gelungen. Jene, die mit dem Morgarten von heute einig gehen, finden in diesen Bildern die Bestätigung ihrer Einstellung und jene, die der Schlachtjahrzeit und dem patriotischen Schützentum keine Begeisterung abringen können, finden darin auch das Objekt für ihre (berechtigte) Kritik. Und beide Gegenpole werden erst noch nicht sagen können, dass dieser Film nicht korrekt aufzeige, wie es – das Morgarten 1977 – ist.

Schwyzer Zeitung, Josias Clavadetscher

Ist es Patriotismus, Wehrwille oder einfach gut schweizerische Freude am Fest, die Jahr für Jahr die Teilnehmer des Morgartenschiessens und der Morgartenfeier zusammenführt, fragt der Redner beim Absenden. Das Pathos der Reden liesse Patriotismus vermuten, bei den Schützen müsste man Wehrwillen erwarten, doch weisen die Bilder des Films in die Richtung des Festes. Bei Gottfried Keller, der uns die schönsten Schilderungen von Festen geschenkt hat, wird im Fest die Vergangenheit zur anschaulichen Gegenwart. Die Feste machen das Wesen einer Gemeinschaft sichtbar. Im Fest verkörpert sich die Nation. Diese ideale Situation, wie sie Keller erfahren hat, fehlt indessen heute, und dies macht der Film nur zu deutlich sichtbar.

Luzerner Neuste Nachrichten, Kurt Büchi

Nach Langjahr ist es eine Selbstdarstellung eines Stücks Innerschweizer Realität. Er hielt sie dokumentarisch fest. Überhaupt findet der junge Filmer, dass in der Innerschweiz wichtige Themen für Dokumentarfilme auf der Strasse lägen. Und der Till stimmt ihm da zu. Er denkt zwar weniger an Morgarten, dafür an die Probleme, die den Menschen von Randgebieten zu schaffen machen: Auswanderungsdruck, wirtschaftliche Abhängigkeit, geistige Nabelschau – mit all der Enge, die sowas zur Folge hat. Manchmal finde ich, man müsste Morgarten von der Patina verstaubter Tradition befreien, aufwerten: zum Halt gegen die Abhängigkeit! Zur Öffnung der Lebensenge vor allem! Aber das wäre mit Hellebarden nicht zu bewältigen. Auch ein Blick in die heroisch empfundene Geschichte reichte da nicht aus – hätte nie ausgereicht. Vielleicht wird Erich Langjahrs Film die nötige Diskussion entfachen.

Vaterland, Till

"Wir danken Ihnen, dass Sie uns nicht kaputt machten."
Zwischenrufe, gebannte Stille wechseln ab. Zum Schluss: riesiger Applaus. Der Film hat den Leuten gefallen. Sie haben sich im Film erkannt. Nicht nur die abgelichteten, sondern auch die am Film unbeteiligten. – "Genau äso isch es". Dankbar stellen die Leute fest, dass sie in diesem Film nicht kaputt gemacht worden sind (wie das mit uns Innerschweizern sonst eben gerne geschieht).
Als Vertreter der Gemeinde Sattel meint Gemeindepräsident Pius Ulrich: "Der Film gefällt mir. Er bringt einen grossen Tag im Jahresablauf eindrucksvoll ins Bild. Es freut uns, wenn diese Arbeit von Erfolg gekrönt ist. Wir danken Erich Langjahr, dass er dieses Thema und unsere Gegend gewählt hat. Der Film soll unseren Mitbürgern Freude machen und sie veranlassen, selber einmal Morgarten zu sehen."

Bote Der Urschweiz, Pirmin Moser

Das entscheidend Qualitative dieses in einem zeitgemässen Sinn volkskundlichen Films besteht darin, dass Langjahr und Müller ein vielfältiges, in der Detailfülle der Beobachtungen geradezu strotzendes Material durch eine vielschichtige, manchmal raffinierte Montage so geordnet haben, dass nicht einfach ein collagehaftes Mosaik dabei herauskam – was kaum Interesse wecken würde, sondern ein Gesamtbild, dessen stets nachvollziehbare Einzelheiten in einem reichen Beziehungssystem zueinander sich befinden.

Mit vier Kameras hat das Team inmitten der Schützen und der Teilnehmer an der Schlachtfeier gearbeitet. Die Kameras waren keine Eindringlinge; das merkt man an den Bildern, spürt man an den verschiedensten Szenen des Festes. Die Männer (und Frauen) fühlen sich nicht unstatthaft beobachtet, und sie wurden in keinem Augenblick zur Schaustellerei verführt oder gezwungen. So viel Unauffälligkeit der Kameraarbeit hat es in einem schweizerischen Dokumentarfilm schon lange nicht mehr gegeben. Hier sind die Schützen und die Feiernden tatsächlich sie selbst; es war also auch nicht nötig, sie zum Sprechen zu bringen. Der Film kommt, weil die 'Leute, die da von nahe zu sehen sind, sie selbst sind, ohne jene gegenwärtig sonst so unermüdlich gepflegte und oft entstellende sogenannte  Selbstdarstellung in Form von Interviews aus: Und. er kann gerade darum auf einen Kommentar verzichten.

Die Kamera war und ist für Langjahr ein Instrument, mit dem er etwas mehr von Menschen erfahren kann, als er bisher von ihnen gewusst hat. Diese Bescheidenheit, diese Haltung auch der Geduld, der allmählichen Annäherung belegt bei Langjahr jene Stelle, an der, bei anderen Dokumentarfilmern von heute die Ideologie sich eingenistet hat. Diese bietet jeweils den bequemen, aber verzerrenden Raster, mit welchem alles (angeblich) erklärt werden kann.

Langjahr und Müller sind gegenüber der Schlachtfeier und dem vaterländischen Schiessfest gewiss nicht unkritisch. Aber sie legen diese Kritik für den Zuschauer nicht von vornherein fest, sondern lassen für sie den Raum offen, und zwar gleichsam zwischen den «Fugen» der Montage. So ergeben sich die Möglichkeiten, dass wohl die Schützen im Film sich unangetastet wiedererkennen können, während anderen vielfältige kritische Ausdeutungen in politischer, sozialer oder historischer Hinsicht geöffnet werden. Was aber könnte für eine lebendige Schweiz wichtiger sein, als dann und wann sich auch zu fragen, was an einer solchen Feier noch echt und unverstört ist, was bloss Ritual und fragwürdig geworden ist. Hierfür haben Erich Langjahr und Beni Müller Anstösse gegeben.

Neue Zürcher Zeitung, Martin Schlappner

Langjahrs Morgarten-Film kommt restauriert ins Kino

Erich Langjahr hat mit dem Film «Morgarten findet statt» ein Zeitdokument geschaffen. Zum Morgarten-Jubiläum 2015 kommt es digitalisiert ins Kino. Erich Langjahr im Gespräch mit Silvia Camenzind.

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