Bauernkrieg

Schweiz 1998. 35mm, Dolby SR + 16mm, Farbe, 84 min.

Bauernkrieg Bauernkrieg Bauernkrieg affiche

Der Film beschäftigt sich mit dem Überleben der Landwirtschaft. Es ist die Zeit der explosiven Liberalisierung des weltweiten Handels.

»Bauernkrieg« ist der zweite Film einer Bauern-Trilogie, die sich mit der Existenz des Bauern am Ende des 20. Jahrhunderts auseinandersetzt (zusammen mit Sennen-Ballade und Hirtenreise ins dritte Jahrtausend).
Im Zentrum stehen die Fragen nach Identität, Überleben und Zukunft. Jedes dieser drei Themen bildet jeweils den Schwerpunkt eines einzelnen Films.
"Bauernkrieg" beschäftigt sich mit dem Überleben der Landwirtschaft am Übergang von einer staatlich gelenkten Planwirtschaft zur Marktwirtschaft. Die meisten Bauern setzen auf den technischen Fortschritt und die Hochleistungszucht, um in dieser neuen Marktsituation zu überleben. Viele können nicht mithalten und geben auf.

RegieErich Langjahr
DrehbuchErich Langjahr
KameraErich Langjahr
TonSilvia Haselbeck
SchnittErich Langjahr
MusikMani Planzer; Perkussion: Fritz Hauser
MitarbeitKamera- und Schnittassistenz: Silvia Haselbeck
Mischung: Dieter Lengacher
Grafik: Niklaus Troxler
Dauer84 min.
Format35mm, Dolby SR + 16mm
Verleihversionen35mm, 84 Min., Farbe, Lichtton Dolby SR, 1: 1.66, Schweizerdeutsch
deutsch/französisch, deutsch/italienisch, deutsch/englisch, spanisch/englisch
16mm, 84 Min., Farbe, Magnetton, Schweizerdeutsch
Verkauf DVD/VideoDVD   [Bestellen]
FestivalsSolothurn, Nyon, Fribourg, Lausanne, Leipzig (DE), München (DE), Berlin (DE), Würzburg (DE) Freistadt (AT), New York (US), Barcelona (ES), Mulhouse (FR), Tarascon (FR), Bozen (IT), Oullins (FR), Mar de Plata (Argentinien), Reggio di Calabria (IT), Vännäs Hela Sveriges Film Festival (S), San Francisco, Goethe Institut, September 2005
Pro Helvetia: Spanien: Valencia, Madrid, Gran Canaria, Santiago de Compostela, Barcelona, Zaragoza; Deutschland: Essen, Hannover.
Kinos
Auszeichnungen/PreiseQualitätsprämie des Eidg. Departements des Innern
Sonderpreis des Deutschen Bundesumweltministeriums
Prix du Jury Œcouménique anlässlich des 41. Int. Leipziger Dokumentarfilm-Festivals 1998
Nominiert Schweizer Filmpreis 1999 "Bester Dokumentarfilm"
KinosSchweiz: In über 60 Kinos.
Deutschland: Pforzheim, Stuttgart, Villingen, Freiburg, Berlin-Alpirsbach, Berlin, Schorndorf, Bremen, Weiterstadt, Leipzig, Wuppertal, Köln, Halle, Lehrte, Witzenhausen, Nürnberg, Hamburg, Verden, Regensburg, Immenstadt, Mannheim, Hannover, Ochsenfurt, Dortmund, Köln, Erlenbach, Lich, Herdecke, Potsdam.
Österreich: Innsbruck, Ried (Innkreis); Bad Leonfeld, Bregenz, Andelsbuch, Dornbirn, Feldkirch.
Frankreich: Mulhouse, Fos-sur-mer, Château-Arnoux, Avignon. St-Marin de Crau, Rambouillet, St-Etienne.
TV-AusstrahlungenPlanete, SF DRS, 3sat
ProduktionLangjahr-Film GmbH, Luegstrasse 13, CH-6037 Root
Tel. +41-41-450 22 52 – Fax +41-41-450 22 51
E-mail: info@langjahr-film.chMitteilung sendenwww.langjahr-film.ch
WeltrechteLangjahr-Film GmbH
Verleih Schweiz
und international
Langjahr-Film GmbH, Luegstrasse 13, CH-6037 Root
Tel. +41-41-450 22 52 – Fax +41-41-450 22 51
E-mail: info@langjahr-film.chMitteilung sendenwww.langjahr-film.ch
ISAN0000-0000-CE54-0000-8-0000-0000-D
Suisa-Nr.1002.019

Pressestimmen

Zu den Filmen, die inhaltliche Brisanz gekonnt mit der Intensität des Kinofilms verbinden, gehört Erich Langjahrs "Bauernkrieg".

Neue Zürcher Zeitung, Robert Richter

Unerbittlich führt dieser Film vor Augen, was das Produktivitätsdiktat bedeutet, dem die Bauern in ihrem Überlebenskampf ausgesetzt sind.

Tagesanzeiger, Andreas Furler

Langjahrs Film ist mehr als nur eine allegorische Chronik vom Umbruch des bäurischen Lebens: eine Elegie in Bildern, um deren emotionale Kraft noch so viele Spielfilmregisseure den Innerschweizer Dokumentarfilmer beneiden dürften. Ein Film, der, und das rückt ihn in die Nähe grosser Kunst, mit einfachsten Mitteln an Wesentliches rührt.

Tele, Vinzenz Hediger

Dieser "Bauernkrieg" ist unbequem, voll von bohrenden Blicken, die einen kritischen Standpunkt zusammenfassen. Ein politischer und aufmüpfiger Film.

Festival Nyon VISION DU REEL, Jean Perret

Für den Zuschauer ist es wichtig, dass ein Film wie "Bauernkrieg" existiert; weil er Informationen enthält, die viel weiter gehen als das, was das Fernsehen bietet. Langjahr beginnt sozusagen dort, wo das Fernsehen aufhört und er wagt, was andere nicht wagen. 

terre & nature, Claude Vallon

Einmal mehr erklärt sich Langjahrs Darstellung ohne grosse Worte von allein. Die unmittelbare konkrete Anschauung sagt mehr als genug. Niergendwo in "Bauernkrieg" braucht jemand auszusprechen, was von den gefilmten Vorgängen zu halten sei. 

Filmbulletin, Pierre Lachat

"Bauernkrieg" zeigt nicht nur den Überlebenskampf eines vom Aussterben bedrohten Berufsstandes, der Film ist ebenso sensible wie schockierende Chronik einer Zeit, in welcher die Ware wichtiger ist als der Mensch. 

Movie News, Irene Genhart

...Bilder und Szenen, die sich wohl unvergesslich in die Erinnerung einbrennen werden.

Neue Luzerner Zeitung, Nicole Hess

...In letzter Konsequenz ist "Bauernkrieg" kein Film über Bauern, sondern ein Film über die Leistungsgesellschaft.

Der Bund, Robert Richter

Langjahr doziert nicht, fährt weder Statistiken noch Expertenmeinungen auf – und enthält sich jeglichen Kommentars. Seine Bilder sprechen für sich.

Rolf Breiner, Zuger Presse

Langjahr hält seine Kamera hartnäckig und unerbittlich auf eine Wirklichkeit, die weitgehend verdrängt wird. Die nachhaltige Wirkung entsteht aber nicht nur aus der schonungslosen Darstellung einer schockierenden Realität, sondern auch daraus, dass er hartnäckig auf die Ursache hinweist: den Profit als höchsten Wert.
"Bauernkrieg" ist ein Film von grosser sinnlicher und emotionaler Kraft.

Zoom, Franz Ulrich 

Langjahr stellt die aktuelle Lage schonungslos dar. Der Film regt zum Überdenken an.

Natürlich, Walter Hess

Tadellose Technik, schockierende Bilder. Ein Werk das trifft in seiner Härte.

Tribune de Genève, Philippe Schneider

Ein Film über den Zustand der Schweiz und über das Leben in diesem Land.

Blick, Vinzenz Hediger

Dass der Bauernstand in seiner Existenz bedroht ist, wo nur noch das Geld zählt, weiss, wer die Zeitung liest. Was das aber in der Praxis bedeutet, wie sich Bauern wehren, wie eine industrialisierte Milchwirtschaft aussieht - das wird erst sinnlich erfahrbar aus Filmen wie "Bauernkrieg" des Schweizers Erich Langjahr. Diese Dokumentation, die geduldig, aber keineswegs nur aus sicherer Distanz hinschaut, auch wo es unappetitlich wird, macht bewusst, dass wir Zeitgenossen sind von Vorgängen, die vergleichbar sind mit der Weberrevolte hundertfünfzig Jahre zuvor. Von dieser haben wir freilich auch gelernt, dass profitable technische Neuerungen nicht zu verhindern sind, dass Menschen geopfert werden, wo Maschinen effektiver sind, und dass als romantischer Träumer erscheint, wer sich dieser Entwicklung entgegenstellt.

Frankfurter Allgemeine, Thomas Rothschild

Erich Langjahrs "Bauernkrieg" "spielt" auf dem Land, doch in einer Landwirtschaft, die bis auf die baumelnden Kuhglocken demonstrierender eidgenössischer Bauern mit Idylle nichts mehr zu tun hat. Die Vertreibung resignierter Kleinpächter von ihrem Land, Versteigerungen von Embryonen und eutergeschwollenem Zuchtmilchvieh, die serielle Herstellung schockgefrosteten Stierspermas mit Hilfe nachgebauter Ersatz-Vaginas: ein Schreckensbild industrieller Agrarproduktion, das längst Bauernalltag ist, doch uns gewöhnlich hinter grünen Almweiden und lila Kühen verborgen bleibt. Mit der räumlichen Teilung von "reinem" und "unreinem" Bereich in einer Tiermehlfabrik hat Langjahr geradezu symbolische Bilder für diese Spaltung gefunden. Muss so etwas sein? Langjahr, ganz Künstler, bezeichnet die Frage nach der Schmerzgrenze angesichts solcher Bilder als musikalische Frage. Das Ergebnis gibt ihm recht. Denn es ist auch und vor allem der Rhythmus dieses Films, der gelingen lässt, was so schwer ist: auch aus abstrakt Hässlichem sinnliche Präsenz zu erzeugen. "Sehen, was wirklich los ist" ist seit einigen Jahren das Motto des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm, das letztes Jahr seinen 40. Geburtstag feierte. Das klingt schön einfach. Aber lässt sich die Komplexität der Welt noch sichtbar machen, indem man einfach hinschaut? Langjahr ist es gelungen.

Der Tagesspiegel, Silvia Hallensleben

Weitere Texte:

Filmtip ZOOM vom September 1998, gekürzte Version des Artikels von Franz Ulrich.
Seit einigen Jahren arbeitet der Schweizer Dokumentarfilmer Erich Langjahr an einer gross angelegten Bauern-Trilogie. Im Zentrum stehen die Fragen nach Identität, Überleben und Zukunft. Jedes dieser drei Themen bildet jeweils den Schwerpunkt eines einzelnen Films. Nach „Sennen-Ballade" (1996) ist „Bauernkrieg" der zweite Teil dieser Trilogie. Er zeigt Probleme des Überlebens der schweizerischen Landwirtschaft „am Übergang einer staatlich gelenkten Planwirtschaft zur Marktwirtschaft".

„Bauernkrieg" ist eingerahmt von Szenen heftiger Bauerndemonstrationen, zu Beginn jene von 1992 in Luzern, am Schluss jene von l996 in Bern. Diese Proteste der Bauern gegen die neuen GATT-Verträge und die Mitgliedschaft der Schweiz bei der Welthandelsorganisation WTO waren jedoch vergebens. Die rasende Liberalisierung und Globalisierung des Handels konfrontiert die Bauern mit einem unerbittlichen Produktivitäts- und Leistungsdiktat. Viele Bauern müssen ihren Hof aufgeben. Bei den überhöhten Bodenpreisen können sich Grundbesitz nur noch Grosskapitalisten und Spekulanten leisten. Das für die schweizerische Identität so wichtige Bild des freien, selbständigen Bürgers, bis in die jüngste Zeit vor allem verkörpert durch den unabhängigen, auf seiner eigenen Scholle werkenden Bauern, wird immer mehr zum folkloristisch-nostalgischen Phantom. 

Welche Folgen die Leistungssteigerung für das Vieh hat, wird an Beispielen aufgezeigt:In einer automatisierten Melkstation wird eine Kuh gemolken. Sie steht hinter einem Metallgitter, die Geräusche evozieren das Bild einer Fabrikhalle. Grossaufnahme des Euters, über das sich die Blutgefässe wie riesige Krampfadern ausbreiten. Diese hypertrophierten Gefässe sind nötig, um die Milchleistung der Kühe zu erzielen, die man durch Zucht, Kraftfutter und andere Mittel ständig zu vergrössern sucht. Dabei kann man sich des Eindrucks nicht ganz erwehren, dies geschehe letztlich auf Kosten des Wohlbefindens und der Gesundheit der Tiere. Die unförmigen Euter wirken wie auf Höchstleistung frisierte Organe.

Später besucht die Kamera eine Besamungsstation, deren Betrieb fachkundig erläutert wird. Stiere trotten in einem Rundlauf hintereinander her. Die Bewegung soll sie für den Samensprung fit machen. Für jeden Stier wird eine sterile, mit einem Gleitmittel präparierte künstliche Gummivagina bereitgehalten. Ein Stier wird sexuell stimuliert, wenn er die Silhouette einer Kuh von hinten sieht. Hier dient ein Stier als Kuhersatz. Beim Samensprung ejakuliert der Stier in die hingehaltene Gummivagina.

Am Schluss wird die industrielle Kadaververwertung gezeigt: Ein Kuhkadaver wird samt Hühnern und Innereien durch eine Art Schredder gewürgt und zerkleinert. Nach diversen Verarbeitungsprozessen wird das entstandene Tiermehl in Säcke abgefüllt.

Die Melkstation, die Embryonenentnahme, das „Absamen" und die Kadaververwertung sind dokumentarische Berichte von grosser sinnlicher und emotionaler Kraft. Langjahr kommentiert seinen Film nicht, er zwingt den Zuschauern keine bestimmte Optik auf. Die Entwicklung der Landwirtschaft durch Wissenschaft, Bio- und Gentechnik und andere Techniken mag ihre positiven Seiten haben. Diese dürfen aber nicht dazu führen, die Fragen nach dem ethisch verantwortbaren Umgang mit unseren Nutztieren zu verdrängen. Sind die mit allen Mitteln betriebene Züchtung der Kühe zu Höchstleistungen als Milch und/oder Fleischprodzenten noch tiergerecht? Sind Praktiken wie die Embryonenentnahme und das „Absamen" nicht brutale Verletzungen der Tierwürde? Steht das etwa auch den Menschen bevor, wenn wir wir uns damit bei den Tieren abfinden? Gewisse Anzeichen lassen das tatsächlich befürchten – schliesslich geht es auch da um riesige Profite. Diese und andere Fragen zu diskutieren, ist „Bauernkrieg" ein nachhaltiger Anlass.

Franz Ulrich (gekürzt)

Katalogtext Nyon 1998 (Jean Perret)
Dieser Film ist genauso turbulent, wie Sennen-Ballade friedlich war. Oder eher, Bauernkrieg ist umso hektischer und angriffiger, als Sennen-Ballade beschaulich und gelassen war. Doch dieses zweite Werk der Trilogie, die Erich Langjahr dem Bauernstand widmet, ist in einem anderen Umfeld angesiedelt. Hier steigt der Autor von den Alpweiden herab in die Ebene. Am Anfang wie auch am Ende des Films demonstrieren Bauern mit Glocken und Pfeifen, ergreifen das Wort, machen Politik unter freiem Himmel. Die Bauernschaft der 90er Jahre ist im Alarmzustand, und der Filmemacher hält die wichtigsten Probleme, das grundsätzliche Unbehagen fest. Er zeigt verschiedene Situationen und Praktiken, die für die Entwicklung, das heisst – und darin liegt die Aussage dieses Filmes – die Verschlechterung der Produktionsweise in der Land- beziehungsweise Viehwirtschaft symptomatisch sind. 

Von der Versteigerung der Habe von Bauernhöfen, deren Besitzer wirtschaftlich nicht mehr mithalten können, über die effizientesten Fortpflanzungsmethoden und den internationalen Spermatozoidenhandel bis zum industriellen Schlachthof erforscht Langjahr die Situationen und stellt sie als Archetypen dar, mit deren Hilfe er seine Überlegungen weiterführt. Denn es geht ihm nicht um eine Bildreportage über eine aktuelle Frage, sondern um die Erzählung einer erbaulichen Geschichte. Die detaillierte Beschreibung der künstlichen Befruchtung von Kühen zum Beispiel ist zunächst eine klare und verständliche wissenschaftliche Information. Doch parallel dazu enthält sie auch eine metaphysische Dimension, die ihrerseits eine politische Interpretation der Praktiken und der Theorien antönt. Die Stiere werden von einer Maschine geführt, die sie an den Nüstern festhält. Ihr Zwangsspaziergang wirkt absurd, doch die kurzen Erklärungen des Bauern verweisen auf eine erschütternde Normalität. 

Es wäre jedoch völlig falsch, eine oberflächliche Anklage zu erwarten («die armen Tiere»): Dem Filmemacher geht es darum, als eine Art Archäologe die grundlegende Logik der industriellen Milch- und Fleischproduktion an den Tag zu bringen. Bis hin zu dieser grauenhaft langen Sequenz, wo starke Maschinen Innereien zermahlen. Sie erhält dann ihren Sinn, wenn man begreift, dass diese unendlichen Mengen blutender Abfälle zu Tierfutter verarbeitet werden. Der Kreis ist geschlossen, die Tiere fressen sich selbst in einem schwindelerregenden Recycling.

Dieser Bauernkrieg ist unbequem, voll von bohrenden Blicken, die einen kritischen Standpunkt zusammenfassen, ohne dabei die Komplexität der wirtschaftlichen und psychologischen Realitäten zu vergessen. Ein politischer, aufmüpfiger und konstruktiver Film, in der Schweiz gedreht, doch von allgemeinem Interesse.